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Hanf und das Geheimnis der Regeneration - Teil 2

Die Frühzeit der Medizin. Auf der Suche nach der unbekannten Lebenskraft.

Seit der Mensch die Phänomene von Elektrizität und Magnetismus beobachtet, hat er sie als Ausdruck einer geheimnisvollen, unbekannten, Gott gegebenen, überall vorhandenen Lebenskraft gedeutet, die von überragender Heilkraft sei. Schon in der Steinzeit war vermutlich bekannt, dass beim Reiben und Schlagen von so genannten „dielektrischen“ Materialien wie Bernstein, Achat Bergkristall und Horn ein Leuchten oder Funkensprühen entsteht. Was heute als Effekt statischer oder „triboelektrischer“ (Reibungs-) Elektrizität verstanden wird, wurde damals für das Entfachen dieser geheimnisvollen Energie gehalten.

Der Magneteisenstein kommt in der Natur vor und besteht aus natürlichen magnetischen Erz „Magnetit“, dies wurde bereits zur vorgeschichtlichen Zeit entdeckt. Man entdeckte, die Selbstbewegung der Magneteisensteine und schrieb ihnen besondere Lebenskräfte zu und man glaubte, dass diese mystische Kraft fähig sei, die menschliche Lebenskraft zu beeinflussen. Die statische Elektrizität bringt ebenfalls eine „Bewegungskraft“ hervor und wird leicht erzeugt, indem man Bernstein an Fell reibt. Dieses Mysterium musste für die vorzeitlichen Menschen ebenso geheimnisvoll wie der Magneteisenstein gewesen sein. Vermutlich wurde auch die Fortbewegungsfähigkeit der Tiere und Menschen als eine Art Wirkung der Lebenskraft angesehen.

Diese Entdeckungen wurden lange vor dem Beginn der Geschichtsschreibung von vielen Gesellschaften unserer Welt gemacht und zählen zu den bedeutungsvollsten Ereignissen der prähistorischen Zeit. Damit wurde der  Anfang der Forschung der Welt markiert und das erst Aufdämmern der Wissenschaft. Letztlich führte das Wissen vom Wirken der Kräuter zur Chemie, und der Magneteisenstein, und die statische Elektrizität, waren die Grundlage für die Entwicklung der modernen Physik. Dies waren die Schlüssel zum Anfang der wissenschaftlichen Medizin, und der Wissenschaft vom Leben.

 

 

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, hat sich intensiv damit beschäftigt, „was Leben sei“. Nach seiner Ansicht wird es dem Menschen niemals gelingen, das Leben zu erklären und sein abgeleiteter Hinweis, dass das Leben nur an seinen äusseren, mit den „fünf“ Sinnen wahrnehmbaren „Erscheinungen“ erkannt werden kann, stellt die Basis des Denkrahmens der Homöopathie dar. Hahnemann trennte in seinem Denken die belebte und unbelebte Natur, indem er über die „prima causa“, die unterschiedlichen Ursachen von „abnormen“ Zuständen und deren Behebung nachdachte. Als Beispiel verglich er den Flug einer Pistolenkugel für einen unnatürlichen Zustand der unbelebten Natur und fand dabei eine völlige Gegensätzlichkeit der erforderlichen Mechanismen, um den jeweiligen „normalen“ Zustand wiederherzustellen.

Samuel Hahnemann erschienen die Modelle von Physik, Chemie und Mechanik nicht auszureichend genug, um die Lebensvorgänge in Natur und Mensch zu beschreiben. Im Geiste seiner Zeit wählte er ein „vitalistisches“ Modell dazu postulierte er das Vorhandensein einer „dynamischen Lebenskraft“ für die er die synonymen Begriffe „Lebensprinzip“ „Lebens-Energie“, „Dynamis“ und „Autokratie“ verwendete. Er unterschied drei Bereiche des Menschen und trennte damit zwischen belebter und unbelebter Natur. Unter Lebenskraft verstand Hahnemann ein Lebensprinzip aller lebenden Organismen, das er getrennt vom materiellen (toten) Organismus wahrnahm.

Da die Lebenssubstanz für die menschlichen Sinne nicht wahrnehmbar ist, kann auch nicht erklärt werden, wie der lebende Organismus funktioniert. Er postulierte deshalb ein automatisches Lebensprinzip, das als eine sinnlich nicht wahrnehmbare, „geistig-dynamische Kraft“ (Dynamis) den materiellen Körper belebt und dessen Empfindungen und Lebensverrichtungen bewirkt. Diese „Autokratie“ stellt ein Prinzip der Selbsterhaltung dar, das den gesamten Organismus und dessen Gefühle und Tätigkeiten in harmonischer Funktion erhält. Hahnemann bezeichnete alle Vorgänge und Prozesse, bei denen der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung für die menschlichen Sinne nicht wahrnehmbar ist, als geistig.

Ein derartiges Denkmodell der Lebenskraft ist  aber keine Erfindung Hahnemanns, denn in praktisch allen Kulturkreisen der Erde finden sich ähnliche Konzepte von „Kräften“, die auf den menschlichen Organismus einwirken. So steht das Qi (ch’i) im Zentrum der chinesischen Medizin, das in Indien „prana“ und in Ägypten ka (ga-ilama) genannt wird.

 

Lange bevor die moderne Quantenphysik, die jedem Stoff innewohnende charakteristische Strahlung entdeckt hatte, war dieser Tatbestand bekannt. Uralt ist die Vorstellung, dass von jedem Objekt eine Kraft, ein „Fluidum“ ausgeht, dessen Eigenschaften die Art des Objekts und seinen Zustand erkennen lassen. Diese Kraft wurde auch schon früh mit der Elektrizität in Verbindung gebracht. Dieselbe Vorstellung bildete bereits die Grundlage von Orakelmethoden, lange bevor die Wissenschaft die heutigen chemischen „Elemente“ entdeckte. Chinesische Seher haben auch jene zwölf „leuchtenden Ströme“ im Menschen entdeckt die wir aus der Akupunktur als „Meridiane“ kennen.

In allen alten Hochkulturen und auch heutigen vorindustriellen Gesellschaften der Erde findet sich die Vorstellung, dass der Mensch neben dem physischen Körper einen unsichtbaren, feinstofflichen Körper besitzt. Diese Vorstellung stammt wahrscheinlich aus der visionären Erfahrung der Seher, Schamanen, Yogis und Heiler der Vorzeit, die in veränderten Bewusstseinszuständen um ihre Mitmenschen herum einen feinen, leuchtenden „Nebel“ gesehen haben, dessen Helligkeit, Farben und Strukturen offensichtlich zum körperlichen, seelischen und geistigen Zustand der betreffenden Person in Bezug standen.

Gemäss dieser, zu vorhistorischer Zeit weit verbreiteten Auffassung, handelt es sich bei diesem Lichtleib um den Zustand unseres Leibes, „wie er vor dem Sündenfall war“ - wie er aber in jedem Menschen zumindest in potentieller Form jederzeit vorhanden ist und durch geeignete Maßnahmen aktiviert werden kann. Die verschiedenen Traditionen sprechen nämlich davon, dass nicht nur die Körper der Götter und Engel aus Licht seien, sondern dass auch der Körper des Urmenschen vor jenem kosmischen Ereignis, das wir im christlichen Dogma „Sündenfall“ nennen, vollständig aus Licht bestanden habe.

Selbst unser eigener, alltäglicher Körper, den wir doch eher als dunkel, dumpf und der Schwerkraft unterworfen empfinden, ist nach diesen alten Lehren immer noch ein potentieller Lichtkörper, denn seine Materie sei nichts anderes als „geronnenes Licht“ und könne zum .Beispiel. durch meditative Praktiken, Atemübungen etc.) wieder in seinen leuchtenden und leichten Zustand zurückgeführt werden. .Krankheit, Unglück und Gebrechen sind, so gesehen, nichts anderes als der Zustand des „Gefallenseins“, der Entfernung von diesem ursprünglichen Lichtzustand.

Ein derart definiertes Körperbewusstsein ist grundlegend, denn dadurch kehren wir zu der ersten Erfahrung des Menschen mit der Materie zurück, in die Zeit des Sündenfalls, als er sein nebelhaftes Bewusstsein und die horizontale Haltung aufgab, um sich willentlich in die Senkrechte zu erheben. Ab diesem Zeitpunkt konnte sich der Mensch wahrnehmen, und zwar als eigenständiges Wesen, wie ein Geist, der einen Körper bewohnt, er war mit ihm verbunden.

Die Erfahrung, einen Körper zu haben und “ein Körper zu sein”, konfrontiert den Menschen nicht nur mit seinem eigenen Empfindungen und seinem Unbewussten, sondern sie erlaubte ihm ebenfalls, sein höheres Ich zu integrieren – den Teil seiner selbst, der dem Spirituellen zugewandt ist. Die bewusste Körperwahrnehmung führte dazu, dass sich die Menschen der Vorzeit als eine Art Schriftzeichen des Kosmos wahrnahmen, als Mikrokosmos, der aus dem Makrokosmos entstanden ist.

In der spirituellen Renaissance hatte dieser Vorgang dann einen entscheidenden Umschwung erlebt. Der Mensch verlor das Gefühl der Einheit mit dem Kosmos. Die notwendige Erfahrung, sich als ein einzigartiges Wesen wahrzunehmen, verlieh ihm Entscheidungsfreiheit und trennte ihn gleichzeitig von der geistigen Welt und vom Naturreich. Die Naturwelten erschienen ihm so nicht mehr von Elementarkräften belebt, sondern eher unbeweglich, mineralisch.

 

Eine natürliche Gegebenheit, mit der sich der prähistorische Mensch so gut wie alle seine Nachfahren auseinanderzusetzen hatte, ist das Auftreten von Krankheiten als Begleiterscheinung des Lebens. Dass der Existenzkampf der Menschen wie der Tiere die Gefahr von Verletzungen mit sich bringt, ist selbstverständlich. Doch lassen sich eindeutige Zeichen von Krankheit ebenfalls schon an den Skelettresten vorzeitlicher Tiere feststellen. Das gilt namentlich für krankhaft–degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule bei Dinosauriern der Kreidezeit, einem Krokodil des Miozäns, und häufig bei Höhlenbären der letzten Eiszeit. Steinzeitmenschen litten an Zahnkaries und Vereiterung des Zahnbettes. Einen so genannten paradiesischen Urzustand, in dem Mensch und Tier von Krankheiten frei gewesen wären, gab es auf der Erde nie und wird auch nie eintreten. Selbst die besten Therapeuten sind immer wieder mit Unheilbarkeit und Tod konfrontiert. Schließlich ist der Tod die einzige Gewissheit des Lebens und unser unausweichliches Schicksal.

Das Altern können wir vielleicht verzögern, Krankheiten heilen, sowie fehlende Körperteile in Zukunft ersetzen, den Tod aber können wir auf keinen Fall besiegen. Nur durch den Tod kann neues Leben entstehen. Sterben ist somit eine Initiation in das Geheimnis der Schöpfung. Der Wunsch nach dem ewigen Leben entspringt der Unwissenheit über die Gesetze der Schöpfung sowie der Angst vor dem Unsichtbaren und Unwägbaren. Diese Angst löst sich erst auf, wenn man die Gesetze des Unsichtbaren erkannt hat.  

Um aber von den Krankheiten geheilt zu werden, muss man nach der Erkenntnis von Paracelsus aus dem “Brunnen der Erinnerung” trinken. Nur dann erkennt man den göttlichen Willen. Jede Initiation erfordert jedoch Demut vor den höheren Mächten sowie Opferbereitschaft, was sogar für Götter gilt.

 

Chinesische Medizingeschichte

 

China ist mindestens seit über 600’000 Jahren ständig von Menschen besiedelt. Überreste früher Hominiden sind, ähnlich wie auf Java, in Kwangsi, Yunnan und Shansi gefunden worden. Vor etwa 500’000 Jahren lebte der Pekingmensch im Umkreis der heutigen Hauptstadt Chinas, in Shansi und wohl auch in Hupei und Kwangtung. Der Homosapiens tauchte erstmals vor 30’000 Jahren in paläolithischen Kulturen im Ordostgebiet in Hopeh und im Südwesten auf. Spätere mesolithische Kulturen gelangten in den nördlichen Grenzgebieten, im Süden und Südwesten sowie auf Taiwan zur Blüte.

Anhand der Untersuchungen von Kunstgegenständen, Grabungsfunden und Textilien können Wissenschaftler genau belegen, dass Hanf eine der ältesten Nutz– und Medizinalpflanzen der Erde ist. Und hier beginnt auch unser Bericht über den Hanf:

Die ersten Stoffe aus Hanf werden um ca. 8’000 v. Chr. vermutet. Etwa zur gleichen Zeit wie die Erfindung der Töpferei und noch vor der Erfindung der Metallbearbeitung. In Zentralasien wurde Hanf um 5’500 v. Chr. angebaut und vermutlich von da nach China eingeführt. Hanf steht am Anfang der chinesischen Zivilisation. Hanf war die erste Pflanze, die von den nördlichen Stämmen gleichzeitig mit ihrer Sesshaftwerdung kultiviert wurde. Aus den Fasern wurden Stricke, Netze, Textilien und andere Produkte hergestellt. Die Erfindung des Papiers ist ebenfalls dem Hanf zu verdanken. Aus seinen Stängeln wurde in Nordchina das erste Papier der Menschheit geschöpft.

Zwischen dem 10. und 6. Jahrhundert v. Chr. Entstand das “Buch der Lieder”. Dort sind Namen von Krankheiten und Pflanzen zu finden, die auch später für medizinische Zwecke verwendet wurden.

In dem ältesten, überlieferten, chinesischen Buch, dem Shih-Ching oder Shijing (nach neuer Schreibweise), das “Buch der Lieder”, das während der Chou– oder Zhou–Dynastie in Nordchina entstanden ist, aber auf Quellen zurückgeht, die 2’000 Jahre älter sind, wird  Hanf oft genannt (somit erfährt der Hanf auch seine erste historische Erwähnung). Er wurde zu den “hundert Getreiden” gerechnet und in schamanistischen Zusammenhang angewendet. Außerdem enthält dieser Text Anweisungen, wie der Hanf anzubauen ist.

In der Folgezeit erlangte der Hanf den Status als weltweit wichtigster nachwachsender Rohstoff. Doch auf der ganzen Welt und zu allen Zeiten war er über kuriose Umstände mit dem Rechtssystem verbunden. So stand der Hanfanbau oft auf der Liste der Straftaten, während er zu anderen Zeiten legal und zeitweise staatlich zum Anbau verordnet wurde.

 

Die Wurzeln der chinesischen Medizin liegen schon in der Altsteinzeit. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass es bereits vor etwa 10’000 Jahren Behandlungsformen gab, die als Vorläufer der Akupunktur betrachtet werden können. Für die ältere Steinzeit fand man Steinnadeln, für die jüngere Steinzeit Nadeln aus Knochenmaterial, Bambus und später aus verschiedenen Metallen wie Gold, Silber und Eisen, die als Zeugen der frühen Akupunkturbehandlungen betrachtet werden können.

In vielen Kulturen der Welt entstanden verschiedene Therapieverfahren durch Glücksfälle, so auch die Akupunktur. In den ältesten Zeiten der Menschheit erwarben sich die Frühmenschen ihr Wissen durch einfaches Probieren. Viele, wichtige und praktische Kenntnisse über die Eigenschaften, Eignungen und Wirkungsweisen wurde so Gewonnen. Auch lernte man schon auf primitiver Kulturstufe vielerlei Nahrungsmittel, Arzneistoffe, Genussmittel u. Gifte voneinander zu unterscheiden. In der Eiszeit lernten die Bewohner die Kunst der Feuerbereitung, stellten vielerlei Gebrauchsgegenstände aus Stein, Knochen, Horn, Fellen usw. her und erwarben die ersten Kenntnisse über das Kochen, Färben, Gerben, die Töpferei und der Medizin.

Es gibt die Annahme, dass der Ursprung der Akupunktur das Indus-Tal in Zentralasien ist, von wo aus sie sich weiterverbreitet hat. Im Prinzip ist der genaue Ursprung aber für uns nicht relevant; fest steht, dass es die Chinesen waren, die diese Kunst weiterentwickelt haben.

Ursprünglich entwickelte sich die Akupunktur aus rein zufälligen Erfahrungen: Durch versehentliche Quetschungen oder Hautschürfungen, durch Verletzungen oder gar durch Pfeilwunden verschwanden plötzlich alte Schmerzen und traten nicht mehr auf. Oder auch das Reiben, Massieren und Beklopfen eines bestimmten Hautareals, das wir oft instinktiv nach einer Verletzung tun, linderte den Schmerz oder das Unwohlsein verschwand. Wurde am Anfang mit Steinnadeln punktiert und mit Steinsplittern geschnitten, entstanden dann später Nadeln aus Bambus und Knochen. In der Bronzezeit wurden Nadeln aus Metallen gefertigt. Mit den neuen Fertigkeiten entstanden dann die neun Nadeltypen. In einem Grab, das aus der Zeit vor unserer Zeitrechnung stammte, wurden neun Nadeln gefunden, die aus Gold und Silber gefertigt waren. Die ersten bis heute erhaltenen Aufzeichnungen über die Anwendung von Nadeln (spitze Steine oder Bambus) in der Medizin stammen aus der Zeit um 1’600 vor Chr.

 

In China erzählte man sich folgendes über die Entstehung des Chen–chiu (Nadel und Verbrennen von Beifusskraut (Moxa) auf den Akupunkturpunkten, des ältesten überlieferten medizinischen Systems. Chen-chiu auf Deutsch Stechen und Brennen, wurde schon in prähistorischen Zeiten angewandt, als man Krankheiten noch mit dem Wirken böser Geister in Verbindung brachte. In jener Zeit untersuchten die Ärzte ihre Patienten sehr sorgfältig, um den Sitz der „Krankheitsgeister“ im Körper festzustellen. Dabei stießen sie an der Haut häufig an Punkte, deren Berührung für den Kranken schmerzhaft waren. Sie vermuteten, dass sich hier, an diesen schmerzhaften Stellen, die krankmachenden Dämonen festgesetzt hatten und entwickelten eine unter damaligen Umständen durchaus logische Therapievorstellung: Der Störenfried musste aus den betroffenen Körperpartien ausgetrieben werden. Mit einem spitzigen Gegenstand, einem Stein, einem Bambussplitter oder einer Fischgräte wurde in den schmerzenden Bereich hineingestochen, und es wurde so ein kleines Loch gemacht, aus dem der Krankheitserreger entweichen konnte. Auffallend häufig stellten sich dadurch Besserungen ein.

Ähnlich verhielt es sich mit der Brennmethode. Nachdem das Feuer entdeckt war und benutzt wurde, bemerkte man ebenfalls durch Zufall seine wohltuende und schmerzlindernde Wirkung und entwickelte in Laufe der Jahre die Moxibustion. Benutzte man zunächst Kohle, entstand später das Moxa. Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass bestimmte Punkte besonders effektiv waren und so wurde die Theorie, dass eben diese bestimmten Punkte auf entfernte Stellen wirken geboren. Diese Punkte fasste man mit der Zeit zu einem System zusammen, aus dem sich allmählich das Netz der Akupunktur-Punkte und Meridiane ergab, das schließlich in den Han–Dynastien nach der Yin–Yang–Theorie, dem Gesetz der fünf Wandlungsphasen sowie bestimmten Zahlenentsprechungen zum Kosmos geordnet wurde.  

 

Vor vielen, vielen tausend Jahren lebten die Menschen im Gebiet des östlichen Asiens als Jäger und Sammler. Sie zogen durch die Steppen und weideten ihre Tiere, sie lebten in den Wäldern und Feldern der weiten Landschaft, sammelten Beeren und jagten Hirsche, Mammuts und anderes Getier. Es war ein schwieriges Leben, bei dem die Menschen selten alt wurden, aber sie hatten diese eigentümliche bodennahe Weisheit, die jeder noch heute an Menschen beobachten kann, die in nahem Kontakt mit der Erde leben.`

Aber sie lebten in ständiger Angst. Angst vor den ihnen nicht erklärlichen Naturphänomenen wie Gewitter, Erdbeben, Fluten, und all den sonstigen Unwägbarkeiten des Lebens. Die weisen Alten, die Schamanen und Schamaninnen, waren nicht umsonst hoch geehrt. Ihnen oblag es, die günstigen und ungünstigen Zeichen im Himmel und auf der Erde zu bestimmen, welche Aufschluss geben sollten über die Zukunft ihres kleinen Stammes. Würden die Rentiere dieses Jahr wieder rechtzeitig in den Süden kommen? Würde der Winter grausam kalt oder eher milde werden? Würde es genug Früchte im Wald geben? Würden sie mit Kinderreichtum gesegnet werden oder würden viele Kinder das erste Lebensjahr erleben? All diese Fragen waren keine philosophischen oder theoretischen Fragen, sie waren Fragen, die absolut überlebensnotwendig waren für den Stamm.

Der Mensch entwickelte sich weiter, und erfand die Aussat sowie die Ernte. Er lernte die Naturgewalten zumindest im Kleinen zu bändigen, indem er Deiche anlegte, um die Felder zu bewässern, er lernte zu töpfern. Jedoch hielt er noch immer aus gutem Grund an seinen Schamaninnen und Schamanen fest. Sie sagten nun den günstigsten Zeitpunkt für die Ernte voraus, sie sagten, wann man pflanzen und jäten sollte, und ob das neue Dorf an dieser oder jener Stelle gebaut werden sollte.  

Der Mensch lebte nun in der Jungsteinzeit, und aus dieser Zeit, der späten Jungsteinzeit oder Töpferzeit haben wir in China, die ersten Funde von Schildkrötenpanzern, die für Orakelzwecke angebohrt wurden. 6’500 Jahre sind diese ersten Zeugen alt, und sie enthalten auch schon erste Zeichen, die als frühe Schrift gedeutet werden können.

Lange ging es noch so dahin, und langsam wurden die Dörfer größer, Handel und Wandel blühten, und die erste kleine Fürstentümer entstanden. Sie hatten vielleicht 10- oder 20’000 Untertanen, aber sie schlossen sich mit anderen zusammen und so entstand langsam im Gebiet des Yangtze ein großes Fürstentum.

 

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen gab es mutige Menschen, die das Wesen der Dinge, also auch ihr eigenes, zu erkennen suchten und in vielen Fällen ihr erworbenes Wissen zum Heile ihrer Mitmenschen verwendeten. Man nannte sie Magier, Hohepriester, Hohepriesterin, Heilige, Schamane, Druide, Medizinmann, Medizinfrau, Hexe, Zauberer, Erleuchtete, Weise Frau etc.

Was diese Menschen bewegte und heute noch bewegt, ist die Suche nach dem Wesen des Lebens und der Existenz, d.h. dem Wesen der Wirklichkeit. Sie wollten dieser Wirklichkeit auf die Spur kommen, sie durchdringen und verstehen und mit ihr umgehen lernen. Das ist ihr Verständnis von Magie: völliges Einssein mit der Wirklichkeit, und aus diesem Einssein heraus schöpfen, gestalten, leben. Dieses Wissen war in ältesten Zeiten, zu Anbeginn der Menschheitsgeschichte, im mystisch-magischen Zeitalter noch jedem zugänglich. Es war selbstverständlich und bestimmte die gesamte Kultur. Doch mit zunehmender Patriarchalisierung und Individuation ging immer mehr davon verloren, bis nur noch wenige einen Zugang zu diesem Wissen hatten. Ein Dokument davon ist das Zeichensystem des Yijing, „das Buch der Wandlungen“. Es ist ein Weisheitsbuch und Orakelbuch und ein Zeugnis aus dem alten China. Der Ursprung des Buches und der Zeichen des Yijing entspringt der Orakeltradition des alten China.

Die ersten chinesischen Hochkulturen zu Beginn des Neolithikums, 5’000-2’000 v. Chr., nutzten die Fähigkeiten der Schamanen zur Wahr- und Vorhersagung, um Wetterphänomene und Naturereignisse, die die landwirtschaftliche Existenz der Gemeinschaft bedrohen konnte, vorherzusehen um die Gefahren durch Präventivmaßnahmen zu mindern. Dazu wurde die »Hellsichtigkeit« der aus Sibirien eingewanderten Schamanen genutzt, die ihre Kenntnisse aus den Beobachtungen von Naturphänomenen und ihrer Gesetzmäßigkeiten ableiteten. Die Wahrsagungen wurden mittels ritueller, magischer und mantrischer Orakeltechniken ermittelt und mit dem Wissen aus den Naturbeobachtungen und Erfahrungen der Schamanen zu Orakeldeutungen vermischt.

Die chinesische Mythologie nimmt an, dass die Prinzipien des I Ging auf einen der ersten legendären Herrscher Fu Xi oder Fü Xi, 2’852 v, Chr.- 2’738 v, Chr. zurückgehen; dieser habe die Trigramme entdeckt. Der Überlieferung nach sind die 64 Bilder des I Ging von den Weisen des Altertums durch Beobachtung der Erscheinungsformen geschaffen worden und sollen "alle möglichen Zustände auf Erden" ausschöpfen. Wer daher das I Ging kenne, kenne das Wirken der Götter – und könne sich mit ihrem Wirken verbünden. Die Veränderungen der Welt gelten als beeinflussbar und nicht nur als Schicksal. Veränderungen sind Chancen, Möglichkeiten und auch Gefahren des Handelns. Das I Ging ist daher nicht nur ein Orakel, sondern auch ein "Lernbuch" für die Wissenden, Kompendium der Klugheit. Weder geht es um das den Veränderungen Hinterherlaufen noch um das gegen die Veränderungen Ankämpfen. Das Ziel ist vielmehr, dass sich die "Edlen" am Wandel orientieren und sich in ihm erhalten, dass sie überdauern in den wechselnden Konstellationen und im Wandel ihrer selbst. Immer ist das zu tun, was der Zeit am besten entspricht: es gilt, mit der Zeit zu gehen, auf seine Zeit zu warten, etc. "Zeit" ist der Wandel der objektiven oder gesellschaftlichen Konstellation der Kräfte hin zu günstigeren Möglichkeiten. Das Mittel dazu ist das Philosophieren über die Bilder und Urteile, sowie die Berechnung der Zukunft mit dem Orakel.

Erhalten sind viele Orakelknochen aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend, auf welchen in Form von Frage, Antwort und realen Ausgang der Befragungen dokumentiert sind. Der „Text“ des I Ging war damals jedoch offensichtlich noch nicht vorhanden, sondern das Orakel scheint aufgrund der Intuition des Fragenden und wahrscheinlich auch durch überlieferte Regeln bestimmt worden zu sein. Es kann also von einer ursprünglich mündlichen Tradierung des Textes ausgegangen werden. Der „Text“ des I Ging ist dann vermutlich erst im sechsten oder siebenten vorchristlichen Jahrhundert entstanden, die früheste heute noch existierende Abschrift datiert aus ungefähr 200 v. Chr und stimmt mit dem heutigen Text erstaunlich stark überein.

 

In der chinesischen Mythologie war Pangu das erste Lebewesen und der Schöpfer des Universums.  Nüwa ist die Muttergöttin, die die Menschheit erschuf, obwohl einige Traditionen diese Grosstat auch Pangu zuschrieben. Pangu, Nüwa und ihr Ehemann Fu Xi sind die Ersten der drei Souveräne und werden oft als die Eltern der Menschheit bezeichnet, da sie in einem Mythos als die Vorfahren der Menschen gelten. Nüwa ist verantwortlich für die Instandhaltung und Wartung der Himmlischen Mauer, deren Zusammenbruch dazu führen würde, dass sich alles auflöst.

In Nüwas späteren Jahren gab es eine Schlacht zwischen dem Wassergott Gon Gong und dem Feuergott Zhu Rong. Gon Gong wurde von Zhu Rong besiegt und wurde dadurch sehr ärgerlich. Er benutzte seinen Kopf, um den Berg Buzhou zu schlagen. Das veranlasste „dass die Himmlische Säule zerbrach und die Gebirgsschluchten auf der Erde und im Himmel entstanden.“ Nüwa bildete die fünf farbigen Steine, um den Himmel zu reparieren. Sie benutzte Krabbenfüsse, um die vier Ecken des Himmels zu stützen und sie benutzte Asche, um die Flut zu stoppen. Gemeinsam mit ihrem Gatten Fu Xi,  wird Nüwa oft mit einem weiblichen Oberkörper und mit dem Unterkörper eines Drachen oder einer Schlange abgebildet, da sie in Form von Drachen die Flüsse auf der Erde herausgemeisselt hatte, um so die Fluten zu  bändigen.

Nach Pan Gu wurde China der Legende nach von mindestens drei Erhabenen Urkaisern regiert, die den Menschen wichtige Fertigkeiten beibrachten. Der Erste von ihnen war Fu Xi, der Herr des Himmels. Auf einer alten Darstellung ist  Fu Xi  mit Winkelmaß und Nü Gua  mit Zirkel zu sehen

Der zweite Herrscher dieser Epoche war Shen Nong, der Herr der Erde. Er erfand den Pflug und lehrte die Menschen, Hanf und Getreide anzubauen und die Heilkräuter zu verstehen.

Der Dritte war Huangdi, der Herr der Menschheit und legendäre "Gelbe Kaiser". Er lehrte die Menschen in medizinischen kenntnissen, veranlasste die Menschen Strassen zu bauen und brachte ihnen das Töpferhandwerk bei.

In dem Band „Vollständige Bücherei in vier Zweigen der Literatur“ werden die Geschichten der Urkaiser Fu Xi, Sheng Nong und Nu Wa beschrieben. Der Sage nach waren Fu Xi und Nu Wa Bruder und Schwester und haben den gleichen Nachnamen Fong. Geschichtlichen Aufzeichnungen zufolge hatten die beiden den Körper eines Drachen und den Kopf eines Menschen.

Fu Xis Mutter hiess Hua Xu. Sie wurde schwanger, als sie in der Leize-Region in den Fußstapfen eines grossen Menschen getreten war. 12 Jahre später wurde Fu Xi geboren. Dieser besass die Eigenschaften eines Gottes und konnte sich zwischen Himmel und Erde bewegen. Er brachte den Menschen die Aufzucht von Seidenraupen bei.

Der Sage nach soll der legendäre Kaiser Fu Xi als Erster auf den Gedanken gekommen sein, Seidenraupen, die auf Maulbeerbäumen ihre Nahrung fanden, zur Herstellung von Gewändern zu nutzen. Fu Xi gilt auch als Erfinder eines mit Seidenfäden bespannten Saiteninstruments. Er soll den Menschen Melodie und Musik gebracht haben. Nach der „Geschichte der verschiedenen Länder der östlichen Zhou- Dynastie“ stellte Fu Xi ein Musikinstrument her, das Yao Qin hiess. Dieses Musikinstrument gründete sich auf der Zahl der Himmlischen Umläufe und den fünf Elementen. Er machte die Form von Phönixschwingen nach.

 

In der Zeit, in der Fu Xi gelebt haben soll, entwickelte sich die Wirtschaft und Gesellschaft schnell, und viele Erfindungen stehen in Zusammenhang mit Fu Xi. Er lehrte die Menschen das Jagen und die sechs Haustiere, Schaf, Huhn, Rind, Pferd, Hund und Schwein zu züchten. Er soll die Menschen darin unterrichtet haben, Netze zum Jagen und Fischen zu benutzen Auch soll er die Medizin erfunden haben. Die Biografie der „Drei Kaisern“ berichtet, dass Fu Xi „jemand mit dem Kopf eines Menschen und dem Körper einer Schlange war, der heilige Tugend besaß.“ Fu Xi lehrte die Menschen, die Knoten durch Buchstaben und Symbole zu ersetzen, um Berichte zu schreiben und geknotete Schnüre zum Messen von Zeit und Entfernungen zu nutzen, sowie sich Vorräte an Nahrungsmittel zu halten.  Fu Xi soll die erste Buchstabenschrift erfunden haben. Ihm wird auch die Einführung von Familiennamen zugeschrieben.

Der Ueberlieferung nach beobachtete Fu Xi  das kosmische Klima und die Gesetze der Erde. Er beobachtete das Wesen der Vögel und der Tiere, indem er dem Lauf der Natur folgte, wobei er verschiedene lebende Wesen von nahebei erkannte und verschiedene Materialien von Weitem. Dies war der Anfang der „Acht Trigramme im I Ging, dem Buch der Wandlungen, mit deren Hilfe man die Geister der Götter verstehen und die Gefühle aller weltlichen Dinge aussortieren konnte.

Angeblich erlernte Fu Xi die Kunst des Schreibens von einem gelehrten Drachen. Die Legende berichtet, dass ein Drachenpferd auf seinem Rücken die Schrift des Lo-Flusses Fu Xi brachte, die zur Erfindung der acht Trigramme (Bagua) im I Ging  führte. Dies soll sich am Ufer des Gelben Flusses ereignet haben. Er soll die acht Trigramme des I Ging erfunden haben, indem er über Himmel und Erde meditierte. Die Reihenfolge der acht Trigramme und 64 Hexagramme im I Ging wurde mit seinem Namen in Zusammenhang gebracht und in Europa als eine formale Analogie zum Dualsystem angesehen.

Fu Xi oder auch Fúxi¯ oder Fuxi, soll der erste der chinesischen Urkaiser gewesen sein, deren Mythen in der frühen Zhou-Zeit aufkamen. Der Legende nach ist er der Urahn der Menschen. Er brachte den Chinesen eine Universalphilosophie, aus der sich alle Naturerscheinungen erklären liessen, und soll die ersten Akupunkturnadeln angefertigt haben. In der Han-Zeit wurde Fu Xi dann zum Gott des Ostens und des Frühlings. Sein Sitz war der rechteckige Erdaltar. In der Stadt Jining in der Shandong-Provinz ist heute das Grab Fu Xis zu finden. Am 3. Tag des 3. Monats nach dem chinesischen Mondkalender findet in Jining jeweils eine Feier statt, um Fu Xi, des Kulturahnherren der chinesischen Nation, zu gedenken.

 

Als (mythischer) Begründer der chinesischen Kräuterkunde und Pharmazie gilt Shen–Nung oder Shennong, ein Kaiser der neunten frühgeschtlichen Dynastie. Der Sage nach, war .Shen–Nung ein Gelehrter, Pflanzenkundler und Schamane. Shen–Nung wörtlich übersetzt „Der himmlische Bauer“, ist ein legendärer Kaiser der Urgeschichte und Kulturell gesehen ein Held aus der chinesischen Mythologie, von dem man glaubt, dass er vor 5000 Jahren Gelebt und den altertümlichen Menschen die Techniken der Landwirtschaft gelehrt hat. Man geht ausserdem davon aus, dass er mühelos Hunderte von medizinischen Pflanzen  bestimmt habe, die entscheidend für die Entwicklung der traditionellen chinesischen Medizin waren. Unter Shen–Nung sollen verschiedene Pflanzen bestimmt worden sein, die er in giftige und ungiftige Kräutern unterschied.

Der Ueberlieferung zufolge wird Shen–Nung manchmal als Mensch, manchmal als Mischwesen mit dem Körper eines Menschen und dem Kopf eines Ochsen dargestellt. Sein Name bedeutet “Göttlicher Landmann”. Er kam der Sage nach zur Welt, nachdem seine menschliche Mutter vom Kopf eines himmlischen Drachen berührt wurde. Er trägt auch den Namen Yandi, “Roter Kaiser”. Shen–Nung brachte den Menschen die Segnungen des Ackerbaus und lehrte sie den Gebrauch des Pfluges und den Anbau der “fünf Getreidehauptsorten”, zu denen auch der Hanf gehörte. Er testete die ernährenden, heilenden und giftigen Gewächse an sich selbst aus und verfasste eine Arzneimittellehre, die angeblich dem Pen ts’ao Ching zugrunde liegt.

Shen–Nung beschreibt 2’737 v. Chr. in seiner pharmakologischen Abhandlung „Ma“ (Cannabis auf chinesisch) als Heilmittel und Rohstoff. Die Heilmittel wurden aus Blüten, Blättern und Wurzeln gewonnen, Stängel dienten zur Herstellung von Textilien, Seilen und Papier. Die Samen schliesslich wurden als Nahrungsmittel und Öllieferant verwendet, Shen–Nung soll einer alter Überlieferung nach, auch den Genuss von Tee entdeckt haben. Als Shen–Nung nämlich an einem Frühlingsabend im Jahre 2’737 v. Chr., unter einem wilden Teebaum ruhte und aus hygienischen Gründen abgekochtes Wasser trank, fielen einige Blätter hinein. Er kostete dieses Getränk und fand es wunderbar erfrischend und belebend. Kaiser Schen Nung, hat der Sage nach auch einen "Aufguss aus Hanfblättern" als Heilmittel gegen Schnupfen gepriesen. Der sagenhafte Kaiser Schen-nong gilt als einer der Bahnbrecher der Chinesischen Medizin. Ein ihm zugeschriebenes “Kräuterbüchlein” umfasst tierische, pflanzliche und mineralische Produkte. Die beschriebene Pharmakologie fügt sich in seine Kosmologie  und die damit verbunden Lehre, von dem “lange Leben” Eingeweihten,. der um die materielle Erhaltung des Körpers bemüht ist, ein.

Als Basis der Kräutertherapie (Zhong Cao Yao) gilt der „Klassiker des Shen Nong zur Kräuterkunde". In diesem frühen Werk zur Kräutertherapie, auf das sich spätere Autoren immer wieder beziehen, finden sich die Namen und die Anwendungsmöglichkeiten der damals bekannten „Heilkräuter", die durchaus auch tierischer Herkunft sein können. Anfangs war die Pharmakologie vor allem noch im Bereich der magisch-religiösen Medizin angesiedelt, In Ihrer sozialen Stellung blieb die Kräutertherapie auch bis in die Neuzeit hinter der von Akupunktur und Moxibustion zurück, weil sie vor allem von den Wanderärzten praktiziert wurde.  Über viele Generationen von Ärzten, wurde das Wissen der Kräutertherapie weitergegeben, überprüft und neu bewertet, indem veraltete, dem Abglauben verhaftete, unbrauchbare oder geradezu schädliche Rezepturen weggelassen wurden.

 

Ein weiteres medizinisches Dokument wurde Huangdi, dem dritten mythischen Kaiser zugeschrieben. Er war der Bruder des roten Kaisers. Das „Buch des Gelben Kaisers über Innere Medizin“ (vermutlich um 2'700 v. Chr.) führt den Begriff des Chi ein. Die Körperenergie, deren Wirken auf dem Ausgleich zwischen zwei gegensätzlichen Kräften des Körpers, Yin und Yang beruht.

In der Regierungszeit des gelben Kaisers Huangdi  2’690-2’590 v.Chr. soll das ´Neijing´, eines der ersten Medizinischen Werke, verfasst worden sein. Dort wurden unter anderem Methoden der  Qi Regulation mit Steinnadeln beschrieben.

Der führende Arzt dieser Epoche war Schuen–Yu–yi, ein hervorragender Fachmann auf dem Gebiet der Akupunktur und der Pharmazie. Nach seinen Lehren ist die ursprüngliche Krankheit immer eine Kälte–Krankheit und damit wesensmäßig dem Prinzip Yin zugehörig. Die übermäßige Anwendung von Yang-Medikamenten, die gegen ein Übermaß an Yin ankämpfen sollen, zieht die Vorherrschaft des Elementes Yang nach sich. Dies führt zu Fieber, stört das Gleichgewicht der Gefäße, blockiert diese und damit auch den Kreislauf der “Energie”.

Die Urenergie Chi manifestiert sich in vielen verschiedenen Ausformungen. So stellen die Chinesen dem äußeren Chi, das im ganzen Kosmos vorkommt, das innere individuelle Chi gegenüber. Chi wird durch die Atmung in den Körper geleitet. Eine Spezialform, das so genannte Gu–Chi, wird durch die Nahrung aufgenommen. Die kosmische Energie wird in den Organen gesammelt und umgewandelt.

Der Strom der Energie besteht aus zwei gegensätzlichen, sich ergänzenden Aspekten: Yin ist das empfangende Energieprinzip, das mit Weiblichkeit, Erde, Wasser, Mond und Nacht verbunden wird, während Yang das aktive Prinzip ist und mit Männlichkeit, Himmel, Feuer, Tag, Sonne und Hitze assoziiert wird. Die beiden gegensätzlichen Aspekte Yin und Yang bilden zusammen eine Einheit.

Der Mensch besitzt in dieser Epoche in Übereinstimmung mit den Jahreszeiten vier Eingeweide (Leber, Herz, Lunge, Nieren), die immer zusammen mit den Winden untersucht werden. Der Ost- oder Frühlingswind steht im Zusammenhang mit der Leber und dem Bereich des Halses, der Süd- oder Sommerwind wird mit dem Herzen und dem Bereich der Rippen in Verbindung gebracht. Der West- oder Herbstwind entspricht der Lunge und dem Bereich des Rückens, der Nord- oder Winterwind wird den Nieren und der Lendenzone zugeordnet. Der Puls wird unter Berücksichtigung der Einwirkungen der jeweiligen Jahreszeit geprüft. Er verrät einen Mangel oder Überfluss an Yin (= verneinendes Element) und Yang (= bejahendes Element), an Blut oder an Ying–wei (= Nährstoffen).

Man unterscheidet höhere, mittlere und niedere Arzneimittel. Die Höheren sind unabhängig von der Dosierung, niemals giftig und werden gegen den Alterungsprozess verwendet. Die Mittleren sind manchmal giftig, können Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen und dienen der Behebung von Mangelerscheinungen. Die Niederen werden mit Vorsicht verordnet und dienen zur Behandlung von Krankheiten

 

Die Entwicklung der Menschheit wird in China auf wenige mystische Herrscher projiziert, die mehrere bahnbrechende Erfindungen gemacht haben sollen. Zentrum dieser Sagengestalten ist Huangdi, der mystische Gründer Chinas. In der mystischen Zeit, 2’697 v. Chr. soll die angebliche Gründung Chinas durch Huangdi mittels Einführung des Kalenderwesens.stattgefunden haben. Aber die Entwicklung des Volkes schreitet nur langsam voran und es muss, selbst nach Ansicht der Chinesen, auf einer sehr niedrigen Stufe gestanden haben, da unter Huangdi die Benutzung bemasteter ausgehöhlter Baumstämme zu Booten als etwas Neues aufgeführt wird und derselbe zuerst die fünf Farben (Grün oder Blau, Rot, Schwarz, Gelb und  Weiss) nach denen der Vögel und Blumen bestimmt haben soll.

Huangdi begründete angeblich im Jahre 2’697 v. Chr. das Kalenderwesen und damit die Zeitrechnung. Die Bedeutung des Kalenders ist für eine Agrargesellschaft enorm, da die Kodifizierung des Jahresverlaufs einer Beherrschung der Natur gleichkommt. Auf Huangdi folgten Shao Hao, Zhuan Xu, Gu (der auch Gao Xin genannt wird) und schliesslich die berühmten Yao und Shun, die als Idealbild des Herrschers im Konfuzianismus stehen. Die Ursprünge der traditionellen chinesischen Medizin werden aber auf die legendären Urkaiser  Huangdi  und Shen Nong zurückgeführt. Beide gelten zusammen mit F uXi als die „Drei  Erhabenen“,die zum  Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. über China geherrscht haben sollen.  Huangdi gilt als Ahnherr der chinesischen Medizin und der Akupunktur, ihm wird das  Grundlagenwerk Huangdi Nei Jing zugeschrieben. Die erste Erwähnung von Shen Nong als Begründer der Drogenkunde findet sich im Huai Nanzi aus  dem  2. Jahrhundert  v.Chr.  Das  älteste  bekannte  Werk  der  heilpflanzenkundlichen  Tradition Chinas, das Suen Nong Ben Cao Jing, wird auf ihn zurückgeführt.

Um 2’500 v. Chr. tauchen in den Prosperierenden bäuerlichen Gemeinschaften Chinas Anzeichen einer zunehmenden sozialen und kulturellen Vielfalt auf. In der Lungshan-Zeit (2’500 –1’800 v. Chr) .folgten befestigte Siedlungen und eine fortgeschrittene Technik, darunter die Töpferscheibe.

Auf Orakelknochen, die während dieser Zeit entstanden sind, finden sich weitere Zeugnisse der chinesischen Schrift. Als Material für diese Dokumente verwendeten die Chinesen Schulterblätter von Schweinen, Schafen oder Rindern und geglättete Bauchpanzer, von damals im südlichen China heimischen Schildkröten. Das bisher erst zu einem Drittel verständliche Vokabular umfasste bereits rund 3’000 verschiedene Schriftzeichen

Die Texte auf den Orakelknochen bestehen häufig aus Anfragen an die Ahnen. Die Textinhalte betrafen Fragen an die Verstorbenen, zum Beispiel: Warum eine bestimmte lebende Person erkrankt sei. Ein Sachverhalt wurde in bejahender und verneinender Form, getrennt durch einen unbeschrifteten Zwischenraum, nebeneinander gestellt. In den frei bleibenden Teil wurden Löcher gebohrt, in die glühende Bronzestäbe gezwängt wurden, so dass sich durch die Hitze Risse ergaben. Es war das Privileg des Herrschers, die Interpretation der Dehnungssprünge vorzunehmen.

 

Die sagenhafte Zeit, mit der in China die historische Zeitmessung beginnt geht nach einigen Aufzeichnungen auf die mystische Zeit, 2’697 v. Chr .zurück. Nach anderer Auffassung an den Anfang der Tschau-Dynastie, 1’122 v. Chr., doch gehen die Angaben über Daten auch bei den Chinesen weit auseinander. Übereinstimmung tritt erst mit dem Jahre 850 v. Chr. ein. Die überlieferten Herrscher dieser sagenhaften Zeit sind: Huangdi (der gelbe Kaiser) 2’704-2’595 v. Chr. in Tschili  und sein Sohn Scha Hao, 2’594-2’511, in Schantung,  sowie Tschan hsü, 2’510-2’433, Neffe des vorigen, in Tschili.  Nach weiterer Ueberlieferung kam danach der Neffen des vorherigen, Ti Ku, 2’432-2’363, in Tschili;  zu Herscherwürden, sowie danach wiederum sein Neffe, in Honan; Ti Tschi, 2’362-2’358 v, Chr..

Der Sage nach wird der Sohn des vorherigen abgesetzt und Jao, 2’357-2’258, sein Bruder, übernimmt seine Stelle. Nach dessen Tod wurde ein Schwiegersohn Jaos, Schun 2’258-06, in Schansi sein Nachfoger. In diese Zeit fallen die historisch bedeutenden Arbeiten Jüs.  Eine seiner Schriften sollen den Inhalt eines Abschnitts des Schuking bilden, die als "der Tribut von Jü: Jü Jükung" bekannt ist. Von vielen wird  diese Schrift als Erzählung von einer grossen Flut und der von Jü unternommenen Arbeiten zu ihrer Ableitung aufgefasst. Jü, der es verstanden hatte, sich durch seine Tätigkeit das Wohlwollen des Kaiser Schun zu erwerben, erhielt von ihm seine beiden Töchter zu Gemahlinnen, da der Sohn des Kaisers sich als unwürdig erwies sein Nachfolger zu werden. Er schlug seine Residenz in Schansi auf. Er war der erste Kaiser der Hsia-Dynastie, die mit 17 rechtmäßigen Herrschern von 2’205-1’766 v, Chr. regierte.

Auch die Xia-Dynastie gilt als mystisch, denn es gibt archäologische Funde, die auf ihre Existenz hinweisen, aber sowohl die Daten als auch die mit ihr verbundenen Geschichten dürften Legendenhaft sein. Gegründet wurde sie angeblich im Jahre 2’205 v. Chr. von Yu. Dieser stand ganz in der Tradition der mystischen Kaiser. Allerdings kam es bei ihm zum ersten Mal zu einer dynastischen Abfolge, d.h. dass die Kaiserwürden zum ersten Mal vererbt wurden. Der Legende nach wollte Qi, der Sohn von Yu, gar nicht Kaiser werden, wurde aber von seinen Ministern dazu überredet. Diese Erbfolge setzte sich bis ins Jahr 1’767 v. Chr. fort, in dem der letzte Kaiser Jie Gui von seinem Thron vertrieben wurde. Damit war das Mandat des Himmels auf seinen Nachfolger, den Gründer der Shang-Dynastie, übergegangen.

 

Um 1’600 v. Chr. kam in China die Bronze in Gebrauch und der Beginn der Bronzezeit fiel zusammen mit der Begründung der ersten historischen Dynastie der Shang. Die Shang stammten aus dem Hochplateau von Zentralasien und hatten dank der Beherrschung der Bronzetechnik ihre Herrschaft über das in der Ebene des Gelben Flusses wohnende Agrarvolk ausgebreitet.  

Der Wechsel zur Shang-Dynastie gestaltete sich angeblich recht friedlich ihr Gründer hiess Tian Yi bzw. Tai Yi später auch Cheng Tang. Die Shang-Dynastie bestand von 1’766 v. Chr. bis ins Jahr 1’044 v. Chr. wobei dieses Datum des Geschichtsschreibers Sima Qian übernommen ist.  Der Überlieferung zufolge ging dieser eine Hsiadynastie voraus. Der Überlieferung zufolge veranlassten ständige Überschwemmungen des Hwangho den Begründer der Hsia-Dynastie, Ta Yü, Gegenmaßnahmen einzuleiten und Schutzdämme zu errichten. doch mag es sich bei den Hsia um eine der letzten jungsteinzeitlichen Kulturen gehandelt haben – jedenfalls konnte ihnen kein Ort mit Sicherheit zugeordnet werden. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um ein Nomadenvolk dessen Gebiet nun die Shang übernahmen.

Bei der Kultur der Shang handelte es sich um eine Agrarkultur. Diese konnte dadurch entstehen, weil damals ein bedeutend wärmeres und feuchteres Klima herrschte, dadurch war das Land fruchtbarer. Die meisten landwirtschaftlichen Geräte bestanden aus Stein, Holz und Knochen, obwohl man schon damals Bronze kannte. Dieses Material benutzte man aber hauptsächlich nur für Waffen und Gefässe. Grund und Boden waren damals Staatseigentum des Königshauses oder des Kaisers.,

Die Shang Herrscher von denen es rund 30 in den 500 Jahren gegeben haben soll, regierten nur über einen relativ kleinen Staat, bis sie durch Unterwerfung von Nachbarstaaten ihren Herrschaftsbereich erweiterten. Ihr Herrschaftsbereich umfasste das Gebiet der heutigen nordchinesischen Provinzen Henan, Hubei und Shandong, sowie den nördlichen Teil von Anhui. Den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichte die Shang-Dynastie in ihren letzten drei Jahrhunderten ihrer Geschichte.

Die Shang standen einer lockeren Föderation mehrerer Territorien vor, von denen viele kaum grösser waren als dörfliche Siedlungsgebiete. Die Shangherscher wechselten sechsmal ihre Hauptstadt. Zwei der Residenzen sind bis jetzt ausgegraben worden. Die Residenz des Königs, auch „Grosse „Domäne“ des Königs genannt, umfasste den Hof mit zahlreichen Beamten und wurde von den Steuereinnahmen aus einem ausgedehnten Gebiet unterhalten. Die Gesellschaft war in Klassen gegliedert und kann in vielerlei Hinsicht als feudal bezeichnet werden. Die Reste gewebter Seide und Hanf geben Aufschluss über die feine und elegante Kleidung, die von der Oberschicht der Shang Dynastie getragen wurde.

Der Herrscher stützte sich auf einen zahlenmäßig starken Kriegeradel. Die gesamte Kultur war städtisch geprägt. Das Handwerk, leistungsfähig und spezialisiert, lieferte Waffen, Rüstungen und Gerätschaften aus Bronze. Die hoch entwickelte Steinschnitzerei, sowie Palastanlagen aus Holz belegen das hohe künstlerische und architektonische Niveau. Trotz der städtischen Kultur blieb die Wirtschaft im Wesentlichen landwirtschaftlich geprägt. Angebaut wurden Getreide wie Hirse, Weizen, Gerste auch Reis und Hanf Die Viehhaltung umfasste Schweine, Hunde, Schafe und Ochsen, außerdem wurden Seidenraupen gezüchtet. Die Jagd und der Fischfang waren mehr Sport als Nahrungserwerb, denn das Fleisch erwarben sich die Shangmenschen durch den grossen Bestand an Haustieren, insbesondere durch Schafe und Rinder.

Der Shang Staat war militärisch sehr gut organisiert. Ihre militärische Überlegenheit verdankten sie nicht nur ihrer äusserst starken Armee, sondern vielmehr ihrer herrvoragenden Waffen, wie z.B. Pfeil und Bogen, Schild, Messer usw. und natürlich ihren Streitwagen, die von zwei Pferden gezogen wurden.  Im Laufe der Zeit bildete das Staatswesen Hunderte von Städten und Siedlungen. Diese waren durch ein Netz von Strassen und Wegen untereinander verbunden. Das Volk bestand aus einer kleinen Oberschicht, meist Verwandte des Königshauses und der breiten Massen der Bevölkerung, viele davon Bauern.

 

Am Anfang einer lang andauernden staatlich-sozialen Ackerbauwirtschaft war die Einteilung des Ackerlandes in je neun Felder, jedes zu hundert Mau (675,68 Ar) wichtig. Von diesen Feldern, die in drei Reihen zu je drei Feldern liegen, sind die acht äusseren für das Volk, das mittlere für die Regierung bestimmt, die ihre Interessen, wie die Aufsicht über die Volksfelder, durch besondere Beamte ausüben lässt. Ein solches Feld  entspricht einem Lin (3 Lin = 1 Ping, 3 Ping = 1 Li, 5 Li = 1 J, 10 J = 1 Du, 10 Du = 1 Schi, 10 Schi = 1 Tschau). Aus dem Tschau, (auch Bezirk oder Provinz), scheinen sich die späteren Lehenfürstentümer entwickelt zu haben. Die Shang-Könige bauten ein Lehensystem auf und fungierten in den riesigen Tempelanlagen, in den  mit  Mauern befestigten Städte auch als oberste Priester.

Die vom einflussreichen Priestertum verwendeten Symbole umfasste mehr als 2’000 Zeichen. Diese wurden Ausgangspunkt für die Entwicklung der modernen chinesischen Schriftzeichen, denn Ursprünglich war die chinesische Schrift eine Bilderschrift. Die Zeichen stellten jeweils in stark skizzenhafter Form etwas ganz bestimmtes dar, z.B. Mensch, Sonne, Mond usw. Zusammengesetzt ergaben die Zeichen dann auch abstrakte Begriffe, z.B. Sonne und Mond zusammen bedeutet "Tag",

Jedes Zeichen stand für ein Wort und hatte nur eine Silbe. Mit der Weiterentwicklung der Gesellschaft wurden auch die Schriftzeichen immer weiter entwickelt, um immer komplexere Wörter darzustellen. Die Änderungen des Schriftbildes und die Entstehung der unterschiedlichen Stilarten ergab sich aus der Verwendung unterschiedlicher Materialien zum Schreiben. Auf Knochen muss man natürlich einen anderen Stil anwenden als auf Steintafeln, Bronzetafeln oder Papier.

 

Die Shang-Schamanen praktizierten das sogenannte Feuerorakel, d..h.. sie erhitzten einen Bronzestab und  brachten ihn mit Tierknochen oder Schildkrötenpanzern in Berührung. Dadurch entstanden Risse in den Knochen. Dieses Muster barg nach dem damaligen Verständnis eine Botschaft aus der Welt der Götter und Geister. In einem Zustand der Trance wurde der Schamane zum Vermittler dieser Botschaft. Die Orakelsprüche prägten sich im Gedächtnis der Kultur ein, wurden von Generation zu Generation übermittelt und bildeten nach und nach eine mündliche Tradition, die ständig angereichert wurde.

Die Verwendung von Schildkrötenpanzern war nicht zufällig: Der Schildkrötenpanzer birgt nach chinesischer Vorstellung das "Geheimnis von Himmel und Erde": Der flache, viereckige Bauchpanzer symbolisiert die Erde, das Materielle, während der gewölbte Rückenpanzer für den Himmel, das Geistige, steht. Die Schildkröte bewohnt den Raum dazwischen, ist also mit beiden Dimensionen in Kontakt und nimmt daher unter den Tieren eine besondere Stellung ein. Die Risse, die auf dem Schildkrötenpanzer während der Orakelzeremonie erschienen, erhielten so ein besonderes Gewicht. Diese wurden symbolisch als Konstellation der Kräfte "im Himmel und auf der Erde" zu einem bestimmten Moment aufgefasst.

Die Shang- Menschen glaubten an Erd- und Himmelsgötter. Im religiösen Kultus wurden die Ahnen und Naturgottheiten verehrt, doch gab es mit Shang Di eine oberste Gottheit. Nur ihm wurden z.B. Menschen- oder Tieropfer dargebracht. Für die entwickelte Grabkultur und die Riten der Opferung von Menschen und Tieren, finden sich zahlreiche Zeugnisse.

Eine riesige Anzahl von Orakelknochen und Schildkrötenpanzern aus der Shang-Zeit wurde im 20. Jahrhundert entdeckt.  Meist ist auf den Knochen die Frage notiert, das Muster der Risse ist sichtbar und die Antwort wurde ebenfalls auf dem Knochen festgehalten. Daraus wurde ersichtlich, dass um etwa 1’200 v.Chr. praktisch nur die Herrscher das Orakel verwendeten.

Mehr als 150’000 Fragmente solcher Inschriften, datierend vom 14. bis zum 11. Jh. v.Chr., sind an der Stätte der letzten Shang-Hauptstadt, nahe des heutigen Anyang (Provinz Henan) ans Licht gekommen. Diese sind kurze Texte, von einigen wenigen bis zu einigen Dutzend Schriftzeichen. Sie belegen die Existenz eines komplexen, funktionalen, und daher über einen vermutlich beträchtlichen Zeitraum gewachsenen Schriftsystems. Dieses erscheint auch in einer bei weitem geringeren Anzahl inskribierter Ritualbronzen derselben Periode.

Orakelknochen aus der Shang-Dynastie vermitteln uns die ältesten vorhandenen Bilder in der chinesischen Schrift mit medizinischem Hintergrund. Das SchriftzeichenY? (Arzt) bedeutet heilen; im Schriftzeichen ist ein Köcher eine Hand die eine Waffe greift und Wein als Heilgetränk zu sehen. Im ursprünglichen Zeichen war noch der Wein (ji?)  durch (w?) Zauberinnen ersetzt. Aufzeichnungen zur chinesischen Heilkunst aus dem 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. Geburt, enthalten aber noch keine medizinische Zusammenhänge und Einsichten. Es wurden auch Orakelknochen zutage geführt auf denen befinden sich Schriftzeichen der verschiedene Erkrankungen.

Auch  Anzeichen eines medizinischen Systems existierte bereits in der Shang Periode. Diese können aber nicht als die Anfänge der Chinesischen Medizin, welche heute praktiziert wird, angesehen werden. Vielmehr handelte es sich um Ahnen-Medizin, in welcher Krankheiten die Konsequenz der Wünsche von wütenden oder unzufriedenen Ahnen darstellte, denn in  der  Shang  Dynastie  wurde  Kranksein  als  Folge  von wenigen  verschiedenen  Ursachen begriffen. Die bei weitem wichtigste Ursache war der Fluch eines Ahnen bei Vernachlässigung der  Unterhaltspflichten  oder  Normenverstoss  der  lebenden  Nachkommen.

Aus den Orakelinschriften der Shang-Zeit geht hervor, dass das Dezimalsystem verwendet wurde. Sogar die Schreibrichtung von oben nach unten und von rechts nach links, war schon damals praktiziert worden. Die Befragungen drehten sich um Opferrituale, Jagd und Feldzüge, aber auch um Gesundheit und Krankheit. Eine Textstelle ist interessant, bei dem das Orakel bei Zahnproblemen angefragt wurde. Diese lautete: Ist das ein Fluch von dem verstorbenen Vat? Der  Fluch  wurde  durch  die  Befragung  eines  Orakels  festgestellt  und  durch  Opfergaben  und  Beschwörungen besänftigt. Die Therapie bestand deshalb darin, die Ahnen mit durchaus weltlichen Gaben wie Essen, Kleidung, Tees und anderen «Opfergaben» wie Alkohol zufrieden zu stellen.  Die Produktion von Alkohol, die in China wohl eine 7’000-jährige Tradition aufzuweisen hat, wird durch shangzeitliche Inschriften auf Orakelknochen auch literarisch bekundet. Vermutlich Hirsewein wurde als wichtigste Opfergabe an die Götter und die Ahnen verwendet. Versöhnung der Lebenden mit den Toten bedeutet Gesundheit. Als Therapie wurden auch magische Rituale, Zaubersprüche, Tänze, Beschwörungen und Amulette angewendet,

 

Zur selben Zeit gab es an den Ränder des grossen Shangreiches ein Volk namens Zhou. Diese lebten noch erdverbundener, und hatten das grosse Glück, innerhalb kurzer Zeit eine Abfolge milder und weiser Herrscher zu erleben. Sie lebten zufrieden als Vasallen der Shang, und ihr grosser König Wen wurde von anderen Völkern als Richter über ihre Streitigkeiten akzeptiert und aufgesucht.  Schliesslich waren die Zhou so gross geworden, dass sie für die Shang eine ernsthafte Bedrohung darstellten. Daher gab der Tyrann der Shang, dem König Wen der Zhou, eine seiner Töchter zur Ehe um durch die Familienbande die Zhou näher an sich zu binden. Später jedoch, als der Tyrann der Shang bemerkte, dass der König der Zhou, der grosse Wen dadurch nicht von seinem unbotmässigen Kurs abzubringen war, bestellte er ihn zu sich an seinen Hof. Dort musste er als ungeliebter "Berater" dienen, schliesslich wurde er ins Gefängnis geworfen. In den sieben Jahren im Gefängnis schrieb König Wen seine Gedanken zu den Hexagrammen des I Ging nieder und bildete damit das Fundament der heutigen Interopretation des Buches. Schliessliich wurde König Wen gnadenhalber entlassen. Um 1’070 vor Chr. starb König Wen hochgeehrt, jedoch ohne seinen Wunsch erfüllt zu sehen, dass die Tyrranei der Shang ein Ende haben möge.  Sein Sohn, König Wu, sah den Verfall, die Ungerechtigkeiten und den Niedergang der Shang und versuchte auf mancherlei Art zu helfen.  Und dann geschah das Unglaubliche: Die Weisen von Zhou hielten die Zeit für gekommen, den Tyrannen zu stürzen, um des geknechteten Volkes Willen. Und der Himmel gab ihnen recht: Eine gewaltige Sonnenfinsternis verdunkelte für einige Minuten das Land, dies war das letzte Omen. Die Trauerzeit für den verstorbenen alten König Wen war noch nicht vorbei, als sich alle Kräfte gegen die Shang versammelten und bei einer großen Schlacht in den Mooren von Mu (Muye) wurden die Shang vernichtend geschlagen. Wir schreiben, je nach Quelle, das Jahr 1’066, 1’061 oder 1’060 vor Chr.

Um 1’050 v. Chr. wurde die Shang-Dynastie von den Zhou abgelöst, einem Zusammenschluss von Sippen aus dem Bereich des Flusses Wei He, einem Nebenarm des Huang He. Mit vierspännigen Streitwagen verfügten sie über eine Kampfkraft, denen ihre Gegner nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen hatten. Die ersten großen Eroberungen von Shang-Territorien erfolgten noch unter Führung des Königs Wen. Eine endgültige Niederlage erlitten die Shang (Thai)  schließlich in der Ebene

von Mu gegen König Wu, den Sohn des Wen. Gerechtfertigt wurde die Erhebung gegen die überlieferte Herrschaft der Shang mit dem Hinweis auf deren moralische und sittliche Haltlosigkeit, wodurch sie ihren göttlichen Herrschaftsauftrag verwirkt hätten. Mit dieser Begründung ist das Argumentationsmuster für alle späteren Ablösungen chinesischer Dynastien historisch etabliert. König Wu begründet die Chou-Dynastie, die ihren Machtbereich bis zum Jiangtsekiang Tal ausdehnt

König Wu, war auch ein großes Interesse am I Ging zu eigen, und auch er schrieb Kommentare dazu. Die neuen Herrscher waren von den alten so verschieden wie Feuer von Wasser. Unter ihnen blühte das Land und die Menschen wieder auf und sie brachten eine neue Methode der Befragung des Orakels mit, die Methode mit den Stängeln der heiligen Schafgarbe, die an den Gräbern der verehrten Ahnen wuchsen. Die besten Köpfe der Shang und der Zhou arbeiteten zusammen, um ein Orakel zu verfassen, welches noch dreitausend Jahre überdauern sollte.  Die Anfänge des Buches der Wandlungen waren gemacht.

 

Die Herrschaftszeit der Zhou wird eingeteilt in die beiden Perioden der stark expansiv orientierten Westlichen Zhou (1’060 bis 771 v. Chr.) und der Östlichen Zhou (nach 771 v. Chr.). Denn 771 v. Chr. wurden die Zhou aus ihrem im Westen gelegenen Herkunftsgebiet vertrieben und mussten den Schwerpunkt ihres Reiches nach Osten verlegen, denn die aus dem Nordwesten einfallenden Reiternomaden führen ab 771 v. Chr. zum Untergang der sogenannten „westlichen „ Chou-Dynastie. Die sogenannte „östliche“ Chou-Dynastie bestand zwar noch bis 256 v. Chr., doch die politische Macht ist auf rund 100 einander bekämpfende Kleinstaaten zersplittert.

An der Spitze der streng hierarchisch organisierten Feudalordnung stand der König,, der durch Erbfolge bestimmt wurde. In seinem Auftrag regierten abhängige Fürsten als Vasallen über befestigte Städte und umliegende Ländereien. Die Macht des Königs stützte sich auf die Klasse der adligen Krieger, die ihre soziale Stellung ebenfalls ererbten. Die niedrigste soziale Gruppe umfasste die Bauern mit dem Statuts von Leibeigenen der jeweiligen Fürsten, sowie die Haussklaven.

Um ihre weitläufige Herrschaft zu gewährleisten, schufen die Zhou-Könige erstmals eine Beamtenbüokratie, die arbeitsteilig das Reich verwaltete. Dennoch prägte ein Grundproblem aller feudalen politischen Systeme auch das Schicksal des Zhou-Reiches: Das Streben der Vasallen, die sich erfolgreich als lokale Herren etabliert hatten, nach mehr Selbständigkeit und Macht, wurde, immer stärker. Dies  führte schliesslich zum Niedergang der Zentralautorität. In der Folge mussten die Westlichen Zhou schliesslich dem Druck der Barbareneinfälle im Norden nachgeben als zugleich einige der Feudalstaaten rebellierten.  Aus ihrer Hauptstadt in der Nähe der heutigen Stadt Xian vertrieben, errichteten die Zhou eine neue Hauptstadt im Osten bei Luoyang.  

In der Östlichen Zhou-Zeit nahm die Herrschaft der Zhou schliesslich immer stärker einen rein formalen Charakter an, und der Zhou-König beschränkte sich als „Sohn des Himmels” weitgehend auf seine sakrale Rolle, während die wirkliche Macht von anderen ausgeübt wurde.  Das Reich der Zhou zerfällt zusehends in 16 einzelne Teilstaaten, die alle um die Vorherrschaft kämpfen. Im Jahre 680 v. Chr. schliessen sich ein Teil dieser Fürstentümer gegen die aus dem Norden einfallenden „Barbaren“ bzw. gegen gleichzeitig anrückende Truppen eines aufstrebenden Reiches im Süden zum Bund der „Zhong-Guo“ („Mittlere Reiche“) zusammen. Diesen Namen, der im Westen allgemein mit „Reich der Mitte“ übersetzt wird, haben die Chinesen bis heute als Bezeichnung für ihr Land beibehalten. Ihr Herrschaftsgebiet dehnte sich allmählich über beinahe den gesamten Norden Chinas aus, bis in das Tal des Jangtsekiang.

Im ersten Abschnitt der Östlichen Zhou-Zeit, der „Frühling- und Herbstperiode” (722-481 v. Chr.), die auch die „Zeit der Hegemonien” genannt wird, vollzog sich eine Entwicklung hin zur Zusammenfassung der örtlich zersplitterten Macht in der Hand einiger weniger Staaten, die in sich nicht mehr feudal, sondern bereits mit Hilfe zentraler staatlicher Verwaltungsstrukturen organisierten. Aus zahllosen kleinen und kleinsten Gebilden entstanden die sieben Großstaaten Ch’in, Wei, Han, Zhao, Zhou, Yen  und Qui,, deren Tendenzen zur Verselbständigung nicht mehr eingedämmt werden konnten.

 

Die politische Instabilität seit dem siebten vorchristlichen Jahrhundert, war begleitet von sozialen Umbrüchen und von langen Phasen intellektueller und kultureller Fruchtbarkeit und Vielfalt. Insbesondere das Nachdenken über Fragen der politischen und sozialen Ordnung gewann grosse Bedeutung und prägte in seinen Ergebnissen die chinesische Kultur über mehr als zwei Jahrtausende bis in die Gegenwart.

Die Zeit eilt davon. Das Rad der Geschichte trat in das Jahr 500 v. Chr. ein. Zu dieser Zeit befand sich das östliche China am Ende der Frühlings- und Herbstperiode (722 v. Chr bis 481 v. Chr.) Es zeichnete sich der Beginn eines goldenen Zeitalters der Philosophie ab. Hunderte von Gedankenschulen blühten auf. Unterschiedliche Theorien, Gedanken und Meinungen schossen wie Pilze aus dem Boden. Diese Ära war das Goldene Zeitalter des chinesischen Denkens. Es war vergleichbar mit der Zeit des antiken Griechenlands. Während dieser Zeit erlebte die chinesische Kultur, ihre Ideen und Weisheiten signifikante Entwicklungen. Es war eine grosse Ära, vergleichbar mit der Renaissance.

Der erste und wohl einflussreichste Philosoph dieser Periode war K’ung-fu-tzu (westlicher Name: Konfuzius, 551-479 v. Chr.). Der Sohn einer kleinen Adelsfamilie aus dem Staat Lu (heute Shandong). Er repräsentierte die aufsteigende Klasse von Verwaltungsfachleuten und Ratgebern, da  ohne sie die Aufgaben der neuen staatlichen Verwaltungen nicht zu bewältigen waren. Konfuzius’ Hauptforderung war die Restauration jener politischen und sozialen Einrichtungen, wie sie die Zeit der frühen Zhou gekannt hatte. Er glaubte, dass die weisen Herrscher dieser Zeit, auf der Grundlage persönlicher Tugend, eine ideale Gesellschaft entwickelt hätten, und versuchte, eine neue integre und kultivierte Elite zu etablieren. Eine Wiederbelebung der feudalen Ethik der frühen Jahrhunderte schien ihm der beste Weg zur Wiederherstellung gefestigter Ordnungen in Politik und Gesellschaft zu sein.

Charakteristisch für den auf Kong Zi zurückgehenden Konfuzianismus ist eine rein rational geprägte Staats- und Sittenlehre, wohingegen der Daoismus, als dessen Begründer Lao Zi gilt, gesellschaftliche Institutionen weitestgehend ablehnt.

 

Die Lehren des Taoismus, der zweiten großen philosophischen Schule der Zhou-Zeit, finden sich im Tao-te king (Buch vom Tao und seiner Kraft). Als Urheber dieser philosophischen Richtung gelten Lao-tse (etwa 5. Jahrhundert v. Chr.) und Zhuangzi (ca. 369-286 v. Chr.). Seine historisch gesicherten Ursprünge liegen im 5 Jh. v. Chr., als das Daodejing (in älteren Umschriften: Tao te king, Tao te ching) des Laozi (Laotse, Lao-tzu) entstand.

Lao Tse,  ein alter Name von Lao Tse sol auch Bo Yang sein. stammt wohl aus den sogenannten Nordprovinzen, und wurde wahrscheinlich 604 vor Chr. in K'hüjen, in der chinesischen Provinz Honan Geboren. Sein Name bedeutet übersetzt "alter Sohn, oder der Alte". Er mag wohl ein halbes Jahrhundert älter gewesen sein als Kung (Konfuzius), so dass seine Geburt auf das Ende des 7. vorchristlichen Jahrhunderts fällt.

Im Lauf der Zeit hatte er am kaiserlichen Hof, der damals in Loyang (in der heutigen Provinz Honan) war, ein Amt als Archivar bekleidet. Als die öffentlichen Zustände sich so verschlimmerten, dass keine Aussicht auf die Herstellung der Ordnung mehr vorhanden war, soll sich Lao Tse  zurückgezogen haben. Als er an den Grenzpass Han Gu gekommen sei, nach späterer Tradition auf einem schwarzen Ochsen reitend, habe ihn der Grenzbeamte Yin Hi gebeten, ihm etwas Schriftliches zu hinterlassen. Darauf habe er den Tao Te King, bestehend aus mehr als 5000 chinesischen Zeichen, niedergeschrieben,und ihm übergeben haben. Dann sei er nach Westen gegangen, kein Mensch weiss genau wohin. Sein Todesjahr ist unbekannt. Er soll aber sehr alt geworden sein

Lao Zi beschrieb in seinem 5’000 Zeichen umfassenden Werk, die Bedeutung des „Tao“ und die Beziehung zwischen der Entstehung des Universums und dem Ursprung aller Dinge. Das Werk behandelte hauptsächlich, wie man ein menschliches Wesen sein kann und wie man zu seinem wahren Selbst zurückkehrt. Alle anderen in seinem Buch erklärten Fragen dienten der Erklärung der hauptsächlichen Angelegenheit.

Der Daoismus, der damit geradezu im Gegensatz zur konfuzianischen Lehre steht, betont, dass der Mensch als Teil des Kosmos seinem Wesen nach vollkommen ist und nach Möglichkeit nicht in den Lauf der Natur eingreifen sollte. Der Daoismus fordert ein enges Verhältnis mit der Natur, die Orientierung an der direkten Beobachtung, und die intuitive Verbindung der beobachteten Phänomene zur Herstellung kosmologischer und symbolischer Zusammenhänge.

Daoismus und Konfuzianismus, deren Entstehung zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert v. Chr. Geburt angesetzt wird, bilden zusammen mit dem Buddhismus, der zur Zeit der Han–Dynastie (206v. Chr. - 221 n. Chr.) von Indien nach China gekommen war, die “Drei Lehren”, jene der philosophisch–religiösen Systeme, deren Einfluss sich in der gesamten chinesischen Kultur- und Staatsgeschichte findet. Die Taoisten lehnten das System des Konfuzius ab. Anstatt auf die Wiederbelebung der feudalen Ethik setzten sie auf die Abwendung von der Zivilisation und die Suche nach Übereinstimmung mit der Natur. Das Nicht-Eingreifen (wu wei) ist dabei eines der Grundlegenden Prinzipien.

 

De dritte politische Schule der Zhou Zeit, die auf die weitere Entwicklung der chinesischen Zivilisation grossen Einfluss hatte, war der Legalismus. Er forderte angesichts der allgemeinen Auflösungstendenzen neue und drastische Massnahmen. Ziel war eine soziale Ordnung, die auf strikten und objektiven Gesetzen fussen, und jeden Aspekt menschlicher Aktivität durch Lohn und Strafe reglementieren sollte.

Um ein solches System zu errichten, musste ein machtvoller und wohlhabender Staat gebildet werden. Verstaatlichung des Kapitals, Einrichtung von Regierungsmonopolen, Beseitigung der überlieferten Familienstrukturen und Aufbau einer effektiven Verwaltung sollten unumschränkte staatliche Macht gewährleisten. Nach aussen sollte eine auf Autarkie gerichtete Politik dem Staat Handlungsfreiheit verschaffen. Die wichtigsten Vertreter der Legalisten waren zwei Minister des Staates Ch’in: Shang Yang (4. Jahrhundert v. Chr.) und Han Feizi (spätes 3. Jahrhundert v. Chr.)

Han Fei Zi befürwortete Bestrafung und billigte Gutherzigkeit und Liebe nicht. Er lehrte, dass die menschliche Natur böse und in Eigennutz verwurzelt sei. Er lehrte: „Kutschenhersteller wollen, dass alle reich sind und es sich leisten können, Kutschen zu kaufen. Sarghersteller wollen, dass alle sterben, damit sie mehr Särge herstellen können.“ Für ihn war alles durch Eigennutz bestimmt. Er dachte nicht darüber nach, dass die böse menschliche Natur, durch Moral und Bildung verändert werden könnte. Er empfand, dass ausschliesslich Autorität und Bestrafung dies bewerkstelligen. In Bezug auf die Konditionen zur Führung eines Landes dachte Han Fei Zi, dass strenge Gesetze notwendig sind, um die Menschen zum Arbeiten zu zwingen. Ihm kam nicht der Gedanke, dass er auf die freiwillige Arbeit der Menschen bauen könne. Mit zunehmender Population würden die Menschen um ihre Interessen kämpfen. Nur durch Autorität und Macht könne die Bösartigkeit der menschlichen Natur, unterdrückt werden. Nur strenge Gesetze könnten Ausschreitungen und Instabilitäten vermeiden.

Zu den zahlreichen anderen, im Westen heute weniger bekannten philosophischen Schulen der Zhou-Zeit gehören: Hedonisten, Rhetoriker, Logiker, Strategen, Agronomisten und insbesondere die Schule des Mo Ti (gestorben 391 v. Chr.), der das Prinzip, der allumfassenden Liebe, als den Schlüssel zur Lösung der Probleme des Menschen erkannte.

 

Während der Zhou Periode veränderte sich die praktizierte Medizin stark. Zuvor war die chinesischen Medizingeschichte noch wesentlich durch Schamanistische Vorstellungen und Praktiken bestimmt, denn der Ahnenkult und die Verehrung von Naturgeistern wurden in China traditionell gepflegt.  Wenn auch der Beginn der chinesischen Medizingeschichte noch wesentlich durch schamanistische Vorstellungen und Praktiken bestimmt war, so wurden in der Folge zunehmend empirische, medizinische–biologische Erfahrungen und Ansätze integriert: Pulsbefundung, Zungendiagnostik, die Lehren von Yin und Yang, von den Fünf Elementen, von den Körpersubstanzen und den Organen wurden in die bestehenden daoistischen und konfuzianischen Medizinmodelle aufgenommen.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das bisher vorhandene Wissen systematisiert und ergänzt. Der “Klassiker der Schwierigkeiten”, der Bian Que (etwa 500 v. Chr.) zugeschrieben wird, behandelt schwer verständliche Passagen des Huang Di Nei Jing.  Hua Tua (141 – 212) setzte erstmals Akupunktur und Kräuter zur Anästhesie bei chirurgischen eingriffen ein und Zhang Zhong Jing (150–219), gilt mit seinem noch heute gültigen Buch “Über kälteinduzierte Krankheiten”(Shang Han Lun) als Begründer der Differentialdiagnostik in der TCM. Aus dem 3. Jahrhundert stammen die “Vorschriften zur Soforthilfe in Notfällen”. Ein grundlegendes Werk über Moxibustion und Notfallmedizin und das “Buch der Pulse”, das die Möglichkeiten der Pulsdiagnostik ausführlich beschreibt. Als “Vater des Pulses” jedoch gilt Bin Hu, der im 5. Jahrhundert v. Chr. Geburt lebte und schon damals Diagnosen mit Hilfe der Pulsdiagnostik erstellte.

 

Unter dem Einfluss der daoistischen und konfuzianischen Philosophie, entwickelte sich ein neues Medizinalkonzept, welches unter anderem dazu konzipiert wurde, um neue Ansätze für ein Ende der schrecklichen Wirren dieser dunklen Zeit zu finden. Konfuzianische Gedanken, wie systematische Entsprechungen (z.B., Yin und Yang und die fünf Wandlungsphasen Theorie), das Mittelmass, aber auch streng hierarchische Strukturen, sowie taotische Konzepte wie Mikrokosmos / Makrokosmos, und das Leben im Fluss der Natur, prägten die neuen Ideen der Medizin. Diese neuen Ideen legten die Grundsteine für die wenig später publizierten ersten Grundlagewerke, der noch heute, in allen ihren Varianten, praktizierten Chinesischen Medizin.

Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. setzten sich, zumindest in der Oberschicht, zwei Systeme durch: Zu einem das ethische System des Konfuzius, zum anderen die mystische Religion des Tao die mit der Gestalt des Lao–Tse verknüpft ist. Tao bedeutet „Weg“, der Weg des Universums, oder die Aufgabe des Menschen, durch Versenkung mit dem Tao, eine Harmonie zu bilden. In seinem Buch über die Tugend beschreibt Lao-Tse des Dao´ (Dao De Jing), wie man  mit Atemtechniken das Qi steuern kann, um Gesundheit zu fördern.

Frühe schriftliche Zeugnisse im Zusammenhang mit Qi, findet man auch im Buch der Wandlungen ( I Ging ).  In diesem Buch wird die Medizintradition des Ostens und die damit verbundene grundlegende Lehre von Yin und Yang  beschrieben. Im Zwiespräch zwischen dem legendären Gelben Kaiser (Huangdi 2’690-2’590 v.Chr ), und dem (göttlichen) Arzt Qi Bo, werden hier erstmals die wesentlichen Vorstellungen der Chinesischen Medizin dargelegt, die auch heute noch in der traditionellen fernöstlichen Medizin Gültigkeit haben.  Nach dieser Theorie ist die Lebensenergie zweigeteilt in Yin und Yang. Man könnte diese Energiearten auch negative und positive Energie nennen. Beide sind zwei fundamentale Gewalten der Natur, die auch im Menschen wirken, und sich als Gesundheit oder Krankheiten manifestieren. Yin und Yang existieren niemals allein. Nichts in diesem Universum ist absolut Yin oder absolut Yang.. Stets existiert ein Teil von Yin auch in Yang, und ein Teil von Yang existiert immer in Yin. So wie niemals ein Tag ohne Nacht oder ein Mann ohne Frau existieren kann, können Yin und Yang nicht ohne einander existieren.

 

Gesundheit und Krankheit sind Teil der Lebensphilosophie des Taos, der philosophischen und religiösen Grundlage der chinesischen Gesellschaft. Die beiden Grundprinzipien des Taos, das Yin und Yang und deren Zusammenspiel, drückt sich in allen Prinzipien des Lebens aus: Gesundheit und Krankheit sind Ausdruck und Form des menschlichen Mikrokosmos mit seinen entsprechenden Parallelen im Makrokosmos. Führt man sein Leben entsprechend den Regeln des Taos, kann Gesundheit, und langes Leben erlangt werden. Krankheiten entstehen, wenn die Körperkreisläufe und die damit verbundenen Energien der fünf Elemente, Wasser, Feuer, Luft, Metall und Holz, nicht im Ausgleich sind. Auch in der chinesischen Medizin stehen Lebensumstände, Philosophie,, und das Eingebettet sein des Menschen in sein Leben, im direktem Zusammenhang mit seiner Gesundheit oder Krankheit. Aufgabe und Ziel der Akupunktur ist es daher, das Gleichgewicht von Yin und Yang, das für die Erhaltung eines gesunden Körpers wichtig ist, herzustellen. Dabei macht man sich zu Nutze, dass bestimmte Organe und Erkrankungen eher dem Yin, andere eher dem Yang zuzuordnen sind. Holz für Leber und Gallenblase. Das Erdelement entspricht dem Magen und Milzpankreas. Das Feuerelement ist bei gossem Feuer - Herz, Dünndarm, sowie bei kleinem Feuer - Kreislauf/ Sexus, Dreifachwärmer. Das Metallelement entspricht der Lunge und dem Dickdarm. Das Wasserelement wird der Niere und Blase zugeordnet. Diese Elemente sind konstant voneinander abhängig und bilden zusammen zwei Kreisläufe, einen kreativen Zyklus und einen zerstörerischen Zyklus.  Holz brennt und verursacht Feuer / Feuer wird zu Asche, die in Erde übergeht / Erde enthält Metall / Metall wird durch Erhitzen flüssig wie Wasser / Wasser ernährt Holz. Wenn Holz die Erde bedeckt, zerstört es diese / die Erde saugt Wasser auf und zerstört das Holz. Das Wasser zerstört das Feuer beim Löschen / Feuer macht Metall flüssig / Metall zerschneidet Holz.

Für den Akupunkteur ist die Theorie der fünf Elemente von entscheidender Bedeutung: An Hand der Symptome, die der Patient aufweist, kann er erschliessen, welcher Aspekt der fünf Elemente gestört ist und welche Organe dementsprechend behandelt werden müssen. Dabei gibt es ein ganzes diagnostisches System, bei dem nicht nur einzelne Organe, sondern auch Gewebe, Sinnesorgane, Sekretionen, Geschmack und Geruch, aber auch Emotionen, Jahreszeiten und Umweltfaktoren mit den fünf Elementen korrespondieren.

Die früheren Chinesen nahmen an, dass alles in der Natur aus diesen fünf Elementen besteht. und dass die „Farben auf natürliche Weise entstehen. Die traditionellen Chinesen betrachten Schwarz, Rot, Blau-grün, Weiss und Gelb als Grundfarben, und In der traditionellen chinesischen Physik wird gelehrt, dass die fünf Elemente, in der Reihenfolge Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde bestehen. Sie entsprechen den Farben Schwarz, Rot, Blau-grün, Weiß und Gelb.

Die chinesische Philosophie suchte nach einer kosmischen Symmetrie, und der damit verbundenen Beziehung zu den  weltlichen Dingen. So bildeten z.B. die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten. Die vier Tageszeiten oder die vier Teile des Himmelsäquators ergaben zusammen mit einer "Mitte" eine Fünfheit. Diese Fünfheit wurde mit weiteren Fünfheiten aus anderen Bereichen korreliert, z.B. chemischen Elementen, Pflanzen, Farben, Körperteilen. In Kombination mit einer Serie von 12 "Arten" konnte man eine Periode von 60 Jahren konstruieren, die in der Chronologie verwendet wurde.

 

Die Idee, dass alle Seins- Formen eine innere Struktur haben, die für magische Manipulationen empfänglich ist, ist für das alte China fundamental. Der Kosmos, die Topographie der Erde, die Lebewesen und auch die innere Landschaft des Menschen sind alle miteinander verflochten. Die Enthüllung der inneren Struktur des Menschen weist auf die offensichtliche Übereinstimmung zwischen dem menschlichen Organismus und dem Kosmos hin. Wann genau diese Form der daoistische Lehre entstanden ist, bleibt unklar. Der Daoismus hat erst in einem langen Entwicklungsprozess Form angenommen, wobei fortlaufend Strömungen des Altertums integriert wurden. Die daoistische Lehre greift viel Gedankengut auf, das in China zur Zeit der Zhou-Dynastie (1040- 256 v. Chr.) weit verbreitet war. Dazu gehören die kosmologischen Vorstellungen von Himmel und Erde, die Fünf Wandlungsphasen, die Lehre vom Qi (Energie), Yin und Yang und das  I Ging (Yijing). Aber auch die Tradition der Körper- und Geisteskultivierung, die mit Atemkontrolle und anderen Techniken wie Taijiquan und Qigong, Meditation, Visualisation  Imagination, Alchemie und magischen Techniken, mit der man die Unsterblichkeit erreichen wollte, sind darin enthalten. Die Suche nach Unsterblichkeit, ist denn auch ein zentrales Thema des Daoismus und geht wahrscheinlich auf sehr alte  Glaubensinhalte zurück, die im Zhuangzi, einem daoistischen Klassiker aus dem 4. Jh. v. Chr. erwähnt werden.

Etwa im 3. Jahrhundert v. Christus entwickelte sich in China ein Unsterblichkeitskult. Ein Pilz namens "chih", Der glänzende Lackporling im Land der aufgehenden Sonne war ein Bestandteil des Elixiers zur Verlängerung des Lebens, und tatsächlich bedeutet das chinesische Schriftzeichen für "Glänzender Lackporling" nichts anderes als "Langes Leben Pilz".  Sehr alte Darstellungen zeigen den Gott der Langlebigkeit "Shou Hsing" mit einem Pilz in der Hand. Ein anderes Mal wir er dargestellt mit seinem ständigen Begleittier, eine Art Ren, das Pilze im Maul trägt. Immer ist der Glänzende Lackporling deutlich zu erkennen. Der glänzende Lackporling gilt in Ostasien unbestritten als die Nummer 1 der Pilze, denen natürliche Heilkräfte zugeschrieben werden. In der chinesischen Medizin wird er seit 4000 Jahren für medizinische Zwecke eingesetzt. In Japan nennt man den Glänzenden Lackporling "Reishi", in den jeweiligen Landessprachen übersetzt als "göttliches Heilkraut".

 

Eine wesentliche Quelle der chinesischen Medizin ist das so genannte Nei–king (5. – 3. Jh. v. Chr.), ein Lehrbuch, das die Grundlagen der Anatomie, Physiologie, Pädologie und Therapie im chinesischen Altertum behandelt und mit einem Traktat über die Akupunktur endet.  

Die Weitergabe medizinischen Wissens von einer Generation an die nächste erfolgte in der Vergangenheit hauptsächlich durch die persönliche Ausbildung des Neulings durch einen erfahrenen Arzt. Wie will man auch einen bestimmten Puls mit Worten beschreiben? Einfacher ist es, den Puls eines Patienten von einem Schüler abtasten zu lassen und ihm dann die Besonderheiten zu erläutern. Ähnliches gilt für Färbungen des Gesichts, die Beschaffenheit der Zunge, für Tonlagen der Stimme und manch andere  Zustände und Veränderungen, auf der weiten Skala zwischen Gesundheit und Krankheit. Dennoch haben Mediziner ihre Kenntnisse und Beobachtungen schriftlich niedergelegt und haben versucht, das Gesehene mit Worten oder mit Strichskizzen festzuhalten um auf diese Weise, das Wissen auch an solche Leser zu vermitteln, die sie nicht selbst unterrichten.

Die anatomische Lehre des chinesischen Altertums beruht auf der Erkenntnis der neun Öffnungen des menschlichen Körpers. Des weiteren unterscheidet man in den Körperhöhlen fünf kompakte Organe (Leber, Herz, Milz, Lunge, Nieren) und sechs Hohlorgane (Galle, Magen, Harnblase, Dick- und Dünndarm) sowie den dreifachen Wärmapparat (Resorption, Transformation, Eliminierung). Der obere Teil des Körpers entspricht dem Himmel, der mittlere (vom Zwerchfell bis zum Nabel)  dem Menschen und der untere der Erde. Die Beziehung zwischen den Organen und den Pulsprüfstellen beruht ebenfalls auf dieser Einteilung.

Jedes Eingeweide oder Organ wird einer der natürlichen Pulsprüfstellen zugeordnet. So gibt zum Beispiel der Pulsschlag am rechten Arm Aufschluss über den Zustand der Lunge und des Dickdarms, ferner über den des Thorax oder, genauer, über die “Mitte der Brust”. Die Erhaltung des Lebens oder des Schicksals, die gesamte Existenz des Menschen, wird durch seine Stellung zwischen Himmel und Erde geregelt. Er muss dieses Gleichgewicht respektieren. Der Organismus ist ein Abbild des Universums, der Mensch verhält sich entsprechend der himmlischen Ordnung und den Gesetzen der Natur. Der freie Kreislauf der Säfte bedeutet vollkommene Gesundheit.

Der menschliche Körper wird von den King–Gefässen durchzogen. Sie sind mit Flüssen und Bächen zu vergleichen, und ihre Gesamtheit bildet ein Kanalsystem, in dem sich der “Odem”, das “Blut” und die “nährenden Elemente” in einem ewigen Kreislauf bewegen.

Die zwölf King–Gefässe werden den Eingeweiden oder Organen zugeordnet. Man bewegt sich auf Akupunktur–Meridianen mit Hilfe von Merkzeichen und festgelegten Punkten. Jedes Akupunkturgefäss umfasst besondere Punkte.  Der tonisierende Punkt stärkt das Gefäss und behebt gegebenenfalls seinen Mangel. Der sedierende Punkt dient der Behandlung des Übermass an Energie. Der Quellpunkt hat regulierende Wirkung. Und der Zustimmungspunkt unterstreicht den tonisierenden bzw. sedierenden Effekt. Der Alarmpunkt deutet spontanen Schmerz an, und der Durchgangspunkt verbindet zwei Meridiane oder King–Gefässe. Der Untersuchende muss daher die Werte der den verschiedenen Eingeweiden zugeordneten Pulsprüfstellen berücksichtigen und diese darüber hinaus in einen Zusammenhang mit der Tageszeit, der Jahreszeit sowie dem jeweiligen Jahr stellen.

In den verschiedenen Landschaften des alten China existierte denn auch eine Vielzahl unterschiedlichster Behandlungsmethoden. Die früheste Organisation des Gesundheitswesens datiert aus der Tschou–Dynastie um die Mitte des 3. Jh. v. Chr. Man unterschied vier Gruppen von Praktikern: Ärzte für allgemeine Medizin, Wundärzte, Diätetiker und Tierärzte. Die beiden ersten Gruppen sind für die Gesundheit von Herrscher und Hofstaat zuständig, die beiden letzten Gruppen für die Gesundheit des Volkes. In dieser Zeit sahen die Ärzte drei Krankheitsursachen: Missbrauch von Speise und Trank, Schockwirkung durch heftige Erregung sowie plötzlichen Klimawechsel.

 

Eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Chinas, war die Ankunft des Reformers Shang Yang. Dieser war ein überzeugter Anhänger der späteren Lehren des Philosophen Han Fei, der die Staatsideologie des Legalismus beeinflusste. Die Legalisten vertraten den Standpunkt, dass alle Menschen von Grund auf gleich sind, und dass schärfste Gesetze und strenge Strafen notwendig wären, um den Untertanen Ruhe und Ordnung zu geben. Shang Yang wurde Kanzler von Qin. Unter der Regierung des Herzogs Xiao begann er unverzüglich den Staat nach den Vorstellungen des Legalismus in eine hocheffiziente „Herrschaftsmaschine“ umzuwandeln, deren Hauptziel die Vernichtung aller Rivalen war. Shang Yang schaffte den Feudalismus ab und führte eine Leistungsgesellschaft ein, in der nur diejenigen hohe Ränge zu erwarten hatten, die auch eine entsprechende Leistung erbrachten. Des weiteren waren Geburtsrechte ausschließlich dem Herrscherhaus vorbehalten. Er teilte jede zehnte Familie als ein „shi“ ein und jede fünfte Familie als „wu“. Verübte eine Familie ein Verbrechen, hatten die anderen neun Familien dies zu melden. Andernfalls wurden alle zehn Familien gemeinsam bestraft. Dies wurde „Kettenbestrafung“ genannt. Die Menschen wagten nicht, über das „neue Gesetz“ zu reden. Die Gesellschaft war sehr stabil., Jedoch nicht aufgrund der Verbesserung der Moral, sondern es beruhte auf der Angst der Menschen vor grausamer Bestrafung.

Shang Yang war auch keine vertrauenswürdige Person. Innerhalb eines Jahres, nötigte er den Herzog Xiao von Qin, den Staat Wei anzugreifen. Dann sandte er ein Schreiben an den Herzog von Wei und lud ihn zu einem Glas Wein ein, um ein Bündnisabkommen mit Qin zu unterzeichnen. Der Herzog von Wei folgte dieser Einladung und wurde gefangen genommen. Bald danach führte Shang Yang die Qin-Armee an, um die Armee des Staates Wei niederzuschlagen.

Während seines Dienstes als führender Berater von Qin, betrog Shang Yang viele Menschen. Der Gelehrte Zhao Liang beriet ihn einmal und sagte: „Du sichertest Deine erste Audienz mit dem Herzog von Qin durch korrupte Beamte ab, aber das war nicht der richtige Weg. sich nicht auf die Menschen einzustellen, sondern viele Paläste zu bauen, dass ist nicht der richtige Weg, um Deine Erfolge aufzubauen. Folter gegen den Lehrer des Prinzen anzuwenden, lässt die Menschen Hass und Katastrophen anhäufen. Wenn Du weiter fortfährst, gierig zu sein, und Menschen unterdrückst,, wirst Du Schaden erleiden, wenn der Herzog einmal stirbt. Du wirst nur dann sicher sein, wenn Du dem Herzog von Qin rätst, Etikette und Tugend zu betonen. Andernfalls wirst Du bald in Schwierigkeiten geraten.“. Shang Yang befolgte diesen Rat nicht.

Fünf Monate später starb der Herzog von Qin. Nach dem Tod des Herzogs Xiao im Jahre 338 v. Chr. bestieg der Kronprinz den Thron. Augenblicklich sandte er jemand aus, um Shang Yang zu verhaften. Als Shang Yang zum Zoll (Grenze) floh, begehrte er Unterkunft für eine Nacht in einem Gasthaus. Der Eigentümer des Gasthauses wusste nicht, dass es sich um Shang Yang handelte. Er sagte: „Shang Yang’s Gesetz bestimmen dass es für den Inhaber eines Hotels, ein Verbrechen sei, jemanden für eine Nacht ohne Identifikation aufzunehmen.“ Shang Yang lächelte und sagte: „Das Gesetz ist zu weit gegangen!“ Er floh in den Staat Wei. Die Menschen von Wei hassten ihn wegen des Betrugs an dem Herzog von Wei. Sie fingen Shang Yang und deportierten ihn. Shang Yang wurde getötet.  Dennoch trug das legalistische Doktrin und ihre damt verbundenen Reformen schnell Früchte für Qin, so war kein Herrscher von Qin bereit, an diesen Reformen etwas zu ändern, sondern sie behielten sie bei und reformierten im legalistischen Geist weiter.

Am augenscheinlichsten erfolgreich waren die Reformen in der Armee. Ursprünglich wurde die Armee von Adeligen befehligt und setzte sich aus Leibeigenen zusammen. Nun konnten jedoch Generäle aus allen Gesellschaftsschichten kommen, wenn sie nur talentiert genug waren. Am wichtigsten jedoch war, dass die Armee der Qin auf eine enorme Grösse anschwoll, und so als effektives Instrument des Staates fungierte. Als Ergebnis der zahlreichen öffentlichen Projekte und der hoch produktiven Landwirtschaft, war Qin nun in der Lage eine Truppenstärke von über einer Million Soldaten zu unterhalten. Es übertraf die militärische Stärke der anderen Reiche bei weiten, nur der südliche Staat Chu war in der Lage in ähnlicher Weise Truppen zu mobilisieren und wurde so zum Hauptrivalen der Qin. Aus dieser Position der Stärke begann Qin nun seine kleineren Nachbarn zu annektieren und eine aggressive Expansionspolitik zu betreiben. Von nun an bezeichneten sich die Herzöge von Qin als Könige. Huiwen war ab 338 v. Chr. der erste König von Qin, er war derjenige, der den Reformer Shang Yang exekutieren ließ und profitierte nun auch als erster von seinen Neuerungen.

 

Im Jahr 260 v. Chr. musste ein erschrockenes China feststellen wie ineffizient das Militär der anderen Staaten war im Vergleich mit dem hochgerüsteten Qin. Qins Erzfeind war das Reich Chu, daneben existierten noch die mächtigen Länder der Zhao und Han als Nachbarn der Qin. Doch keines dieser Länder verfügte über eine so große und gut ausgebildete Armee und eine so wohlhabende Bevölkerung wie Qin. Es konnte sich zusehends als Vormacht etablieren. In der gewaltigen Schlacht von Changping besiegte Qin seinen Nachbarn Zhao und machte 400.000 Kriegsgefangene. Um Zhao einzuschüchtern, ließ der Qin-General alle Gefangenen ausnahmslos hinrichten. Zhao fügte sich widerwillig in eine Allianz mit Qin. Noch heute kann man in Changping zu tausenden Skelette finden.

Im Jahr 256 v. Chr. beendete Qin die nur noch als kläglich zu bezeichnende Existenz der winzigen Königsdomäne des Zhou-Königs, der immer noch nominell oberster Lehnsherr Chinas und religiöses Oberhaupt war. Fortan beanspruchte der König von Qin den Zhou-Titel „Sohn des Himmels“ für sich und machte allen anderen Reichen damit klar, dass er die Herrschaft über ganz China beanspruchte. Das Königreich Han war tief beunruhigt über die letzte Expansion der Qin nach Osten und befürchtete, bald von Qin attackiert zu werden. So ersann der König von Han den Plan, dass, wenn er Qin nicht mit seinen Armeen zerstören könne, wo er nur hätte verlieren können, Qin mit einem Wasserbauprojekt zu ruinieren.

Seit längerem versuchte Qin seine Produktivität durch Kanalbaumassnahmen weiter zu erhöhen, so auch in der Region des Wei-Flusses. Der Plan des Han-König sah vor, den König von Qin mit Hilfe des Bauingenieurs Cheng Kuo, dazu zu bringen, einen gigantischen Kanal zu bauen und so seine Ressourcen zu verschwenden. Die Qin stimmten dem Vorschlag von Cheng Kuo zu und begannen mit dem Bau, doch unglücklicherweise war das Resultat des hintertriebenen Plans das völlige Gegenteil. Tatsächlich verschlang das Projekt erhebliche Mittel, doch überanstrengte es Qin eben nicht wie erwartet. Im Jahr 246 v. Chr. wurde der sogenannte Chengkuo- Kanal eröffnet und alle Investitionen sollten sich überaus bezahlt machen, für Qin ! Der neue Kanal und die damit verbundenen Bewässerungssysteme bescherten Qin exorbitante Einnahmeüberschüsse und die Region um die Qin-Hauptstadt Xianyang (unweit des heutigen Xi'an) – bekannt als das Land innerhalb der Pässe – wurde zum produktivsten und reichsten Gebiet in ganz China. Qin konnte nun schneller Truppen in den Osten senden und durch die erhöhten Einnahmen noch mehr Armeen ausrüsten. Zu diesem Zeitpunkt existierten bereits nur noch sechs weitere Königreiche, mehr war von den einst tausenden Fürstentümern der Zhou-Zeit nicht übrig geblieben.

 

Das Jahr 247 v. Chr. markiert den Anfang vom Ende der Streitenden Reiche, denn in diesem Jahr bestieg Prinz Zheng den Thron des Königs von Qin Yíng Zhèng (chiin), (* 259 v. Chr., † 210 v. Chr.) den Thron. Prinz Zheng ist der Gründer des alten Kaiserreichs China und eine populäre historische, mythologische Gestalt.  Von einem seiner Beamten wurde er beschrieben als "Mann mit scharfem Nasenrücken, schmalen länglichen Augen, der Brust eines Raubvogels, der Stimme eines Schakals und dem Geist eines Tigers". Bekannt als Tiger von Qin sollte er später der erste Kaiser eines zentralisierten Chinas werden, und den pompösen Titel Qinshi Huangdi oder Erster Höchster Kaiser von Qin annehmen.

Yíng Zhèng  (Qín Shi Huáng Dì) wurde im Jahre 259 v. Chr. in Handan in der heutigen Provinz Hebei geboren als Prinz Zhuangxiang der in Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Zhao und dem Nachbarstaat Qin eine Geisel in Zhao war.  Der Fürsten von Qin hielt sich in  der Hauptstadt des Fürstentums Zhao auf.  Zur damaligen Zeit war es üblich nach einem Bündnis zweier Staaten als Friedenssicherung Töchter als Ehefrauen und Söhne als Geiseln auszutauschen. Durch Lü Buweis Einflussnahme und vermutlich auch Bestechung, konnte 257 v. Chr. Prinz Zhuangxiang mit einer Konkubine und Yíng Zhèng nach Qin zurückkehren.

Lü Buwei (ein Händler) begleitete den Prinzen und wurde in Folge im Staate Qin ansässig. Lü Buwei war vorher Großkaufmann im Staate Zhao. Es ist nicht bekannt, mit welchen Gütern er handelte, doch sein Reichtum und Einfluss muss beträchtlich gewesen sein. Lü Buwei erreichte durch geschickte Intrigen und Diplomatie, dass Prinz Zhuangxiang neuer Fürst wurde,, was laut Erbfolge eigentlich nicht vorgesehen war. Als Zhuangxiang schließlich 250 v. Chr. König von Qin wurde, ernannte er Lü Buwei zu seinem Kanzler. Lü Buwei vereinigte damit in seiner Person sowohl wirtschaftliche Macht als Grosskaufmann, als auch politische Macht, als Staatskanzler.. Sein beinahe Unumschränkter Einfluss machte ihn zu einem „Staat im Staate“ Dies war umso bemerkenswerter, da er nach der in dieser Zeit gültigen Einteilung als Kaufmann noch hinter Gelehrten, Bauern und Handwerkern, auf der niedrigsten Gesellschaftsstufe stand.

 

Nach dem frühen Tod von König Zhuangxiang, nach nur drei Jahren Amtszeit kam der noch minderjährige Zhèng im Alter von erst dreizehn Jahren im Jahre 247 v. Chr an die Macht. Für ihn führte zunächst Lü Buwei die unumschränkte Regierung. als Vormund, die Regentschaft aus. Dieser Machtfaktor erschien vielen als Gefahr, auch zog seine Stellung zahlreiche Neider an, die seine Absetzung betrieben. Selbst ohne öffentliche Stellung, glaubte schon König Zheng und seine Regierung in Lü Buwei ein Angst machendes Risiko zu sehen.

Ying Zheng, der König von Qin,der spätere Qin. Qín Shi Huáng Dì„“, hatte eine gewaltige Vision: Wie seine Vorfahren verfolgt er das Ziel, die anderen sechs Provinzen zu unterwerfen und als Kaiser über ein vereintes Imperium zu herrschen. Lady Zhao, Ying Zhengs Konkubine, seit seiner Jugendzeit, unterstützt den Traum ihres Königs nach Kräften. Lady Zhao, die Geliebte des Herrschers, ist aber des Hoflebens müde und möchte in ihren Heimatstaat Zhao zurückkehren. Doch im Gegensatz zu Ying Zheng, der mit militärischen Mitteln die benachbarten Königreiche zur Vereinigung zwingen will, versucht sie, unnötiges Blutvergiessen zu vermeiden.

Sie ersinnt einen raffinierten Plan, um ihr Heimatland Zhao vor dem Untergang zu retten. Der professionelle Attentäter Jing Ke soll im Auftrag des Prinzen von Yan einen Mordanschlag auf den König verüben. Zhao jedoch will Ying Zheng rechtzeitig warnen, damit diese Intrige dem Monarchen die Rechtfertigung geben kann, das verfeindete Yan zu erobern und Zhao zu verschonen.  Um König Ying Zheng bei der Reichseinigung zu helfen schlägt sie deshalb vor Prinz Yan – der als Geisel nach Qin gesandt wurde – in seine Heimat zurückzubegleiten, auf dass er einen Attentäter aussende.  Nach einem gescheiterten Attentat hätte Qin einen handfesten Grund Yan zu erobern. Lady Zhao und Prinz Yan kehren ins Königreich Yan zurück und treffen dort auf den Attentäter Jing Ke. Der ist jedoch des Tötens müde und höchst unwillig. Während sie versucht Jing Ke zu überzeugen entwickelt Lady Zhao zunehmend Respekt für ihn und Verachtung für den grausamen König von Qin.  Derweil schlägt sich letzterer mit familiären Problemen herum. Der Eunuch Lao Ai ist in Wahrheit gar kein Eunuch, sondern ein überaus potenter Kerl, von dem die Königinmutter zwei stolze Söhne erhalten hat. Diese stellen natürlich eine Bedrohung für Ying Zheng dar und als die ganze Sache auffliegt, wagt Lao Ai die offene Rebellion, welche jedoch niedergeschlagen wird.

Vor seiner Hinrichtung enthüllt der Pseudoeunuch Lao Ai jedoch Ying Zheng das dieser in Wahrheit der Sohn von Premierminister Lu Buwei ist da dieser dem vorherigen Herrscher eine bereits von ihm selbst schwangere Konkubine – die Königinmutter – untergeschoben hat. Der König verbannte Lu Buwei schliesslich ausser Landes. Andere Quellen sprechen davon, dass Lü Buwei erst nach einer blutigen Auseinandersetzung entmachtet werden konnte. Aus Furcht vor einer öffentlichen Hinrichtung, setzte sich Lü Buwei auf dem Weg ins Exil seinem Leben selbst ein Ende. Vermutlich durch Gift. Andere Quellen sprechen davon, dass er auf dem Weg ins Exil vergiftet wurde.

Der König von Qin möchte das dunkle Geheimnis seiner Herkunft vertuschen und schwört jede Gefahr für sich, oder sein Königreich, zu vernichten. Im Jahre 230 v. Chr. begann König Zheng seinen Vernichtungskrieg gegen die anderen Königreiche indem er zuerst Han eroberte gegründet auf die solide Vorarbeit seiner Vorgänger. Qin erobert den Staat Zhao, dessen Herrscher sämtliche Kinder der Hauptstadt zum Selbstmord antreiben müssen. Die Überlebenden lässt König Ying Zheng lebendig begraben, da er ihre Rache fürchtet.  

Im Jahre 221 v. Chr. entsandte der Fürst des Staates Qi, welcher noch eigenständig war, einen Attentäter in die Hauptstadt Qins, Xianyang (fünf Kilometer nordwestlich des heutigen Xi'an), um Yíng Zhèng umzubringen. Das Vorhaben schlug jedoch fehl.

Wenige Wochen später eroberten die Armeen Qins auch Qi. Damit war die jahrhundertealte Utopie Wirklichkeit geworden: Alles Unter dem Himmel? war wieder unter einem Herrscher vereint, denn Zhao Zheng vernichtete innerhalb von 10 Jahren alle seine Gegenspieler  Han (230), Zhao (228), Wei (225), Chu (223), Yan (222) und Qi (221) und  beendete so die Zeit der Streitenden Reiche. Bis zu seinem Tod im Jahre 210 v. Chr. kann er das Ch'in-Reich im Westen bis zur Wüste Takla Makan (Zentralasien) und im Nordosten um die Mandschurei vergrössern.

 

Mit Qin Shihuangdi wird vor allem der Beginn des chinesischen Kaiserreiches (das Wort China kommt von chinesisch: Qin) verbunden, da ihm die Eroberung der Streitenden Reiche in einem etwa zehnjährigen Krieg zugeschrieben wird.  Der König begründete das chinesische Kaiserreich, nannte sich selbst Erster Kaiser (Shi Huang Di = Erster Erhabener Gott) und gründete die Qin-Dynastie. Seine Herrscherlinie sollte nach seiner Vorstellung zehntausend Generationen regieren. Der Kaiser befolgte die Traditionen seiner Vorfahren, unterschied Schwarz und Weiss, respektierte die Tugend des Wassers und beschloss, dass „Oktober der Winteranfang sei, seine Farbe, ein starkes Schwarz". Als er den Thron bestieg, war „die Farbe seiner Kleidung und Fahne Schwarz. Er führte eine kaiserliche Zentralregierung ein, und  unterteilte das Land in 36 Kommandanturen, sowie in rund 1.000 Landkreise. Hauptstadt in seinem Imperium ist Chang'an (X'ian) mit einheitlicher Gesetzgebung, einheitlicher Währung, einheitlichen Massen und Gewichten sowie einer Einheits-Schrift, denn in der Qin-Dynastie wurde die chinesische Schrift vereinheitlicht, davor gab es aufgrund der Zersplitterung des Reiches in viele kleine quasi-selbständige Territorien unterschiedliche Schreibweisen für ein und dasselbe Schriftzeichen. Seit der Reichseinigung in der Qin-Dynastie entwickelte sich die Schrift zu dem einigenden Element für China. Obwohl es viele chinesische Dialekte gab, die sich teilweise sehr stark unterscheiden, und die gesprochene Sprache im Laufe der Jahre Veränderungen durchmachte,, war die Schrift in allen Reichsteilen gleich

Die chinesische Schrift ist die älteste Schrift der Welt, die heute noch verwendet wird. Auch die Sprache wurde in dieser Zeit vereinheitlicht. Das Chinesische Geld dieser Zeit symbolisiert Himmel und Erde, Es waren runde Münzen und diese hatten ein quadratisches Loch, denn das quadratische Mittelloch dieser Uralt-Münzen symbolisierte die Erde, ihre kreisrunde Form den Himmel. Geprägt hatte sie Kaiser Shi Huangdi, Seine Bronze  Münzen aus dem Reich der Mitte waren. bis 1911 ein offizielles Zahlungsmittel, das über 2.000 Jahre fast unveränderte Nominal kursierte.

 

Auch in diesem Reich spielte die Agrarkultur eine Grosse Rolle, wie auch in den anderen Dynastien. Das Gebiet wurde von Monarchen verwaltet,  die als Beamte, die Möglichkeit hatten, in einer 18-stufigen Hierarchie aufzusteigen. Jeder Beamte musste einen jährlichen Bericht an den Kaiser schicken, der penibel alle Daten und Veränderungen im dem entsprechenden Gebiet wiedergab (sogar die Regenmenge).  Qin Shihuangdiil liies ein Straßennetz von 6’800 Kilometern Länge anlegen und auf beide Seiten jeder Strasse im Abstand von etwa sieben Metern Bäume pflanzen. Besonders beachtlich war die Gerade Strasse, die über 800 Kilomete, schnurgerade vom Sommerpalast Yunyang, in der Nähe der Hauptstadt nach Norden bis tief in die Innere Mongolei führte. Die Hauptstadt Xian-yang (Xiangyang) in Shaanxi am Wei-Fluss, beim heutigen Xi'an, wurde prachtvoll ausgebaut. Dorthin wurden 120 000 "reiche und mächtige" Familien, kurz der Adel, zwangsumgesiedelt. De Einwohnerzahl betrug 800 000 Menschen.  Qin Shi Huangdi nannte 270 über das Land verteilte Paläste sein eigen.  Sein Hauptsitz war jedoch der Epang-Palast in Xianyang,, dessen Bau er 212 v. Chr. befohlen hatte. Allein die Haupthalle dieses Gebäudes mass 675 Meter in der Länge und 112 Meter in der Breite.  Die Präfektur- und Kreisvorsteher wurden ebenso, wie die Beamten in höheren Positionen die Heerführer, die Lager -und Gefängniskommandanten vom Kaiser persönlich eingesetzt.  Um das Aufkommen von Machtkonzentrationen zu verhindern liess er die Beamten in regelmässigen  Abständen versetzten und die Dienstzeit der Heerführer befristen.  Zhèng befehligte eine Armee von schätzungsweise 1'000’000 Soldaten (zum Vergleich Hannibal zog etwa zur selben Zeit mit 80.000 Soldaten über die Alpen).  Um das Reich vor dem Einfall verschiedener Nomadenvölker im Norden und Nordwesten zu schützen liess  Zhèng die Grenzwälle, die aus Erde bestanden und bereits früher in diesem Bereich zum Schutz dienten, weiter ausbauen, verstärken und miteinander verbinden. Um Übergriffe der aus dem Norden einfallenden Hsiung-Nu (Hunnen) abzuwehren, beginnt Ch'in (Zhèng) 214 mit dem Bau der „Großen Mauer“.

Die Zwangsrekrutierung von Arbeitern, für die Errichtung des Verteidigungswalls, bzw. den Bau eines landesweiten Strassen- und Kanalnetzbau, sowie die enorm hohen Steuerbelastungen, für den Unterhalt des Heeres, führen zu Unruhen im Landesinneren, die von Ch'in auf brutalste Weise unterdrückt werden. Qin Shihuangdi war wegen der rücksichtslosen Härte seiner Regierung höchst unbeliebt, weswegen es mehrere Attentate gab.. Im Jahre 218 v. Chr. wurde der kaiserliche Reisezug auf einer der Inspektionsreisen von Banditen überfallen. Der Herrscher überlebte nur da die Räuber die falsche Sänfte angriffen. Es wird heute gemeinhin angenommen, dass es sich bei den Angreifern keineswegs um Banditen handelte, sondern um Mitglieder eines Mordkomplotts.

Der Kaiser versuchte mit Umsiedlungen und Hinrichtungen jede Opposition zu ersticken und geht zudem hart gegen den Konfuzianismus vor. Er. ordnet zur Beseitigung der Tradition Bücherverbrennungen an. Alle greifbaren Bücher die sich mit der Lehre des Konfuzius beschäftigten, werden verbrannt. Damit niemand unvorteilhafte Vergleiche zwischen seinem Zeitalter und der Vergangenheit ziehen konnte, befahl Shi Huangdi, dass alle Bücher mit wenigen Ausnahmen, verbrannt werden sollten. Damit wollte der Kaiser auf Rat Li Sis (ein Eunuche) jede Kritik an seiner Regierungsform unterbinden. Gelehrte, die sich diesem Befehl widersetzten wurden auf den Wangen tätowiert oder wie Sträflinge aneinandergekettet. Nach einigen Zeugnissen sollen vierhundertsechzig widerspenstige konfuzianische Gelehrte lebend begraben worden sein. Andere wurden wahrscheinlich zur Zwangsarbeit an der Grossen Mauer verpflichtet die sich damals gerade im Bau befand, als Bollwerk zur Verteidigung gegen die Barbaren aus dem Norden.

Diese gigantische Befestigungsanlage, Shi Huangdis grösstes Denkmal, durchzog das Land zu dieser Zeit, in einer Länge von ungefähr 2200 Kilometern. In unzähligen Windungen schlängelt sie sich durch Ebenen, Flusstälern und über Berge. Die Mauer war eine technische Meisterleistung, aber auch ein Friedhof für unzählige Männer und Frauen die bei drückender Hitze oder eisiger Kälte an ihr arbeiten mussten. Tote und sogar Sterbende wurden als Baumaterial für die Mauer verwendet. Möglicherweise starben bei dem Mauerbau bis zu einer halben Million Menschen. Teils fielen sie ihrer Erschöpfung oder dem gnadenlosen Klima zum Opfer. Aber auch die Angriffe der wilden Stämme jenseits der Grenze die durch Gongs und Trompeten angekündigt wurde, forderte zahleiche Menschenleben.  An manchen Stellen errieichte die Mauer einer Höhe bis zu sechzehn Metern. Die Mauer war so breit dass auf ihr acht Männer nebeneinander von den Garnisons- zu den Wachtürmen marschieren konnte.   Über einem Fundament von ca. acht Metern Durchmesser erhob sich die aus Steinen und Lehmziegeln erbaute Mauer auf den Überresten früherer Befestigungen denn schon vor 2700 Jahren bauten einzelne Fürstentümer Mauern gegen die Nachbarn, die der erste Kaiser vor 2230 Jahren wieder abressen liess, weil er ein geeintes Reich erkämpft hatte. Nur die nach Norden, gegen die nomadischen Reitervölker gerichteten Mauern blieben stehen, Zudem wurden alle Stadtwälle und Grenzbefestigungen im Reich abgebrochen, sowie alle Bronzewaffen der geschlagenen Armeen eingeschmolzen. Aus ihnen entstanden Glocken und zwölf 30 Tonnen schwere Kolossalstatuen, die in Xianyang aufgestellt wurden.

Während die Nordgrenze gesichert wurde, schickte Shi Huangdi Expeditionsgruppen gegen Süden und erweiterte Jahr für Jahr die Grenzen seines grossen Reiches. Andere Feldzüge richteten sich gegen die Einwohner des heutigen Südchina und Vietnams, speziell nach Panyu (Kanton), Kueilin in Guangxi, Fuzhou in Fujian und sogar Hanoi. Diese entfernten Gebiete wurden mit Garnisonen gesichert, die mit Deportierten besiedelt wurden, Diese standen in ständiger Unruhe und konnten erst zur Han-Zeit halbwegs eingegliedert werden. Angsterfüllt zieht sich der Erhabene Kaiser von China.  in seine Paläste zurück,

 

Schon früh zwang der  erste Kaiser von China hunderttausende Bürger, für ihn ein aufwendiges Grabmal zu bauen. Zwangsarbeiter, Künstler und Architekten sollten ihm einen unterirdischen Prachtpalast bauen. Der Aufbau der Anlage entsprach den damaligen kosmischen und Geomantischen Vorstellungen. Ausstattung und Volumen des Grabes demonstrierten die Grösse und Macht des ersten Kaisers von China,, der Zeit seines Lebens nach der Unsterblichkeit suchte, und sich diese zumindest für seinen Nachruhm gesichert hat.

219 v. Chr. hörte Shi huángdì auf der Halbinsel Shandong zum ersten Mal von den Inseln der Unsterblichkeit, einem Archipel in der Nähe Penglais. Er rüstete umgehend eine 3.000 Mann starke Schiffsexpedition unter der Leitung des Weisen Xu Fu aus, die ihm das Elexier des Lebens beschaffen sollte, denn der Kaiser wünschte die Unsterblichkeit zu erlangen. Als Tauschobjekte für die Bewohner wurde Saatgut und Werkzeuge mitgeführt. Die Expedition kehrte nie zurück. Es wird vermutet, dass diese Truppe in Japan gelandet ist und das japanische Kaisertum begründete.

Im Jahre 215 v. Chr. stattete der „Erste Kaiser“ eine zweite Expedition nach Penglai aus. Auch diese blieb erfolglos. Ein Teilnehmer der nach fünf Jahre zurückkehrenden Gruppe, entschuldigte sich jedoch für ihr Versagen und begründete den Misserfolg mit einem Riesenfisch, der die Weiterfahrt blockierte. Er bat darum, das nächste Mal Armbrustschützen mitzuschicken. Der Kaiser willigte ein.

Aber der „1. Kaiser“ wurde allmählich alt, und die Angst vor dem Tod überschattete seinen Ehrgeiz, Der Herrscher hörte nun immer häufiger Schamanen an und verschwendete Unsummen an Staatsgeldern, um ihren Räten zu folgen. Einem Gott gleich beherrscht er "alles unter dem Himmel". Einem Gott gleich will er unsterblich sein. Alchemisten aus dem ganzen Reich versprechen ihm Unsterblichkeit Diese sollten den Trank der Unsterblichkeit für den Gottkaiser brauen. Es ist ein einträgliches Geschäft in dieser Zeit, denn der Kaiser verschleudert Unsummen an die brodelnden Alchemistenküchen. Da wirksame Resultate für die Unsterblichkeit nicht zu erwarten waren, verlegen sich erfinderische Geschäftemacher auf die mystisch inszenierte Präsentation von Wundermitteln. Das grösste Aufsehen erregt eine Flüssigkeit, aus der man angeblich Gold gewinnen kann - Quecksilber. Ob dem Kaiser der hochgiftige Stoff verabreicht wurde, ist nicht bekannt. Das gesuchte Wundermittel zur Unsterblichkeit findet der Kaiser jedoch nicht.

Zwischen 220 v. Chr. und 210 v. Chr. unternahm er fünf mehrmonatige Inspektionsreisen in alle Teile seines Reiches und legte dabei über 9.000 Kilometer zurück. Der Reisezug bestand jeweils aus mehreren hundert Soldaten, dutzenden Sänftenwagen und ebenso vielen Bediensteten. Der Kaiser selber verliess seine Sänfte kaum und sprach nur durch ein Tuch, das vor ein Fenster gehängt wurde, nach außen. 210 v. Chr stirbt plötzlich der exzentrische Kaiser Ch'in bei seiner fünften Inspektionsreise durch abgelegene Herrschaftsgebiete. in Pingtai in Shaqiu (das heutige Pingxiang in der Provinz Hebei).  Er verstarb am 10. September an einer ungenannten Krankheit. Qin Shihuangdi wird in seinem gigantischen Grabmal, bererdig. Bewacht wird das Mausoleum von einer aus rund 7.000 lebensgrossen Soldaten, und etwa 600 Pferden bestehenden Terrakotta-Armee

 

Die Legende berichtet, das Grab des ersten Qin-Kaisers (Qin Shi Huangdii, 259 - 210 v. Chr.) befindet sich in der Yanzhai-Gemeinde 5 km östlich des Kreises Lintong in der Provinz Shaanxi. Die Grabstätte liegt am Fusse des Lishan-Berg und reicht bis zum Weishui-Fluss im Norden. Das eigentliche Grab des Kaisers liegt Heute unter einem 47 m hohen künstlich aufgeschütteten Hügel. Aus der Vogelperspektive betrachtet sieht das Grab wie eine riesige Pyramide aus.  Die Bauarbeiten für das Mausoleum Qin Shi Huangdis begannen kurz nach seiner Thronbesteigung im Alter von 13 Jahren. Nach der Vereinigung der sechs anderen Reiche mobilisierte Qin Shi Huangdis Zwangsarbeiter aus allen Landesteilen zum Bau der Grabstätte. Das Projekt dauerte insgesamt 37 Jahre, bis Qin Shi Huangdi im Alter von 50 Jahren starb

Beim Begräbnis gab der zweite Qin-Kaiser, Huhai, den Befehl, alle Hofdamen Qin Shi Huangdis sowie alle Handwerker, die am Bau des Grabs beteiligt waren, mit zu begraben. Glaubt man der Chronik des Sima Qian die etwa 100 Jahre nach dem Tod Qin Shi Huangdis entstand, ist das Grab des Kaisers eine Miniaturnachbildung seines Herrschaftsgebietes. Laut geschichtlichen Aufzeichnungen wurde das Grab unterhalb einer Quelle gebaut und dann mit Kupfer verschlossen. In der Grabanlage wurden verschiedene Paläste und Gebäude, sowie Amtssitze für alle Beamten errichtet, die mit zahlreichen kostbaren Schätzen gefüllt wurde. In der Decke des Gewölbes der Grabkammer wurden Edelsteine und Perlen eingelassen, was die Sterne am Himmel symbolisierte. Am Boden der Grabkammer war die geographische Lage aller Landesteile dargestellt und Quecksilber floss an Stelle der Flüsse und Meere. Darauf schwammen goldene Wildenten. "Alle Flüsse des Reiches waren in Quecksilber nachgebildet und flossen mechanisch angetrieben in einen Ozean." Um Grabraub zu verhindern, wurden in der Grabkammer verborgene Armbrüste und Pfeile angebracht. Zum "Schutz" vor Grabräubern wurde das Grabmal von einer Tonarmee bewacht.

2000 Jahre nachdem diese Zeilen verfasst wurden, ergaben Bohrungen im Grabhügel, dass hier tatsächlich ungewöhnliche Konzentrationen an Quecksilber zu finden sind.  Dieses Bauwerk kostete, ebenso wie die Chinesische Mauer, Hunderttausenden das Leben.

 

Der Nachfolger von Kaiser Ch'in sollte eigentlich der älteste Prinz Fu-su werden, der gegen die Bücherverbrennung und Hinrichtung der Gelehrten protestiert hatte und deswegen zur Grossen Mauer strafversetzt worden war.  Aber Li Si, der Obereunuch, Zhao Gao ein Eunuche, und Prinz Huhai verheimlichten den Tod des Ersten Kaisers. Als Kaiser Ch'in starb befand er sich 1’600 Kilometer weit entfernt von seiner Hauptstadt. Auf dieser letzte Reise begleitete ihn ein ehrgeiziger und berechnende Eunuche namens Zhao Gao, denn der erste Qin-Herrscher (Qin Shi Huangi), stellte Zhao Gao als Lehrer von Hu Hai, dem zweiten Sohn des Kaisers an. Was der Eunuch Zhao Gao dem Prinzen Hu Hai beibrachte war Hofhaltung, gerichtliche Entscheidungen, Verurteilung, einschließlich der Hinrichtung von Menschen, das Schneiden der Nasenlöcher und die Vernichtung von drei Generationen einer Familie.

Qin Shi Huangdi hatte zeitlebens grosse Angst vor dem Tod und verfasste nie einen letzten Willen. Im Sterben entsann er sich jedoch seines ältesten Sohnes, Prinz Fu-su, den er zur Zwangsarbeit an die Große Mauer strafversetzt hatte nachdem dieser gegen Bücherverbrennung und Hinrichtung der Gelehrten protestiert hatte. Mit den Zeilen „Komm nach Xianyang, um meiner Beerdigung beizuwohnen und begrab du mich“ ernannte er ihn zu seinem Nachfolger. Die Nachricht wurde jedoch von Li Si niemals einem Boten ausgehändigt.

Nach dem Tod des 1. Kaiser ersannen Li Si und Zhao Gao eine List. Sie hielten den Tod des Kaisers geheim. Zu diesem Zweck setzten sie einen Eunuchen in die Sänfte, der an Stelle des Kaisers sprach und befahlen einen Wagen mit getrocknetem und verfaultem Fisch hinter eben dieser Sänfte herzuziehen. Dies taten sie, um den Leichengeruch zu überdecken.  Dann informierten sie Prinz Huhai (den einzigen Sohn des Kaisers, der ihn regelmässig auf seinen Reisen begleiten durfte) über die Situation und unterbreiteten ihm ihren Plan. Demnach sollte  Huhai neuer Kaiser werden. Er war der Sohn des Qin Shihuangdi, des ersten Kaisers der Qin-Dynastie, jedoch eigentlich nicht der Kronprinz. Er begleitete seinen Vater auf seiner Reise in den Osten Chinas, auf welcher dieser plötzlich verstarb.

Dem Rat des Obereunuchen Zhao Gao und des Kanzlers Li Si folgend, fälschte er einen Erlass seines Vaters, durch welchen er seinem Bruder, dem eigentlichen Erbe Fusu Selbstmord befiehlt und er selbst zum Nachfolger ernannt wird.

Kanzler Li Si  und der Obereunuch Zhao Gao schickten diese gefälschten kaiserliche Dekrete an Fu-su und dessen General Meng Tian  Die gefälschte Verfügung beauftragte Qin Shi Huangdi’s ersten Sohn, den Erben Fusu, er solle Selbstmord begehen. Dann benannte er den zweiten Sohn Huhai als den nächsten Kaiser: Das Dekret entzog auch Marschall Meng Tian, einem vertrauensvollen Befürworter von Fusu, das Kommando über die Truppen und verurteilte Meng’s Familie zum Tode.

Zhao Gao hoffte, nach dem Tod seines Herrn die Regierungsgewalt an sich reissen zu können, und kehrte mit dem verwesenden kaiserlichen Leichnam nach Xianyang zurück. Ambitiös, wie er war, ernannte sich der Eunuch zum Palastkämmerer. Der Täuschungsversuch gelang und der Tod des Kaisers wurde erst Ende September nach der Rückkehr nach Xianyang bekannt gegeben. Dort wurde Shihuángdì dann in seinem Mausoleum beigesetzt.

 

Wenig später bestieg Prinz Huhai als Zweiter Kaiser von China den Thron. Er nannte sich fortan Qin Er Shi., oder Èr Shì Huángdì aber auch Qin II Er regierte von: 209 – 207 v. Chr.),  Am zweiten Tag nachdem Huhai der neue Kaiser geworden war, schoss er Pfeile auf Menschen, und bezeichnete diejenigen, die tapfer genug waren, ehrliche Kritik zu üben, als Verleumder der Verwaltung und stempelte diejenigen, die sich über die Zukunft der Nation Gedanken machten, als Personen ab, die mit bösartigen Reden die Öffentlichkeit betrügen. Außerdem behandelte er die Tötung von Menschen so beiläufig wie das Schneiden von Gras Es war das Resultat der Lehre Zhao Gaos, welche Huhai dazu verführte, all diese bösen Dinge zu lernen.

Qin II (Huhai) ernannte Zhao Gao als Richter bei einem Gerichtsverfahren wegen „Verschwörung“ gegenüber zwanzig Prinzen und Prinzessinnen. Zhao Gao entfaltete seinen heimtückischen Plan und verurteilte sie alle zum Tode. Danach ermordete er den Premierminister und nahm dessen Platz ein. Nachdem er die Macht erlangt hatte, inszenierte er das berüchtigte Spiel „einen Hirsch als Pferd bezeichnen“.

Eines Tages sagte Zhao Gao zu Qin II, dass er ihm ein Pferd überreichen wolle.. Qin II sah das Tier und sagte: „Aber es ist ein Hirsch.“ Zhao Gao bestand darauf, dass es ein Pferd war. Darum fragte Qin II nach der Meinung anderer Beamter. Letztlich stimmten einige mutige Leute darin überein, dass es ein Hirsch war. Dafür ließ Zhao Gao sie alle hinrichten.

Während ein Mensch mit solch einem niederträchtigen Charakter an der Macht war, wurde das Leben für die Menschen unerträglich. Das Ausmass der Staatserneuerung Li Sis drückte schwer auf der Bevölkerung, welche die gewaltigen Baumassnahmen finanzieren und das harte Strafensystem des Staates Qin ertragen musste. Den Unwillen des durchaus befähigten alten Adels muss man dazu rechnen. Auf der Gegenseite war der Zweite Kaiser von China ein schwacher Mann, geradezu unmündig gegenüber seinem Minister Li Si und dem Obereunuchen Zhao Gao, denen er den Thron verdankte. Er war vom Obereunuchen Zhao Gao so abhängig, dass er zu dessen Marionette wurde. Dies war denn auch der Beginn des Zusammenbruchs der Qin Dynastie. Li Si als kaiserlicher Sekretär spielte dabei eine wichtige Rolle. Li Si unterstützte Huhai als der neue Imperator Geld verschwendete und  Königliche Beamte verfolgte. Die erneut extrem hohe Abgabenlast führt in China zum Aufstand.  Schon bald nach dem Herrschaftsantritt des zweiten Kaisers der Qin-Dynastie (209 - 207 v. Chr) brachen Aufstände aus.  Die Anführer dieser Aufstände stammten aus allen Schichten der Gesellschaft. Aus alten Adelsfamilien, sowie aus den Reihen der Fronarbeiter und Bauern, die bei der unzufriedenen, zu hoch besteuerten Landbevölkerung unterstützung fanden.

Anfangs sollte eine Gruppe von 900 Arbeitern hingerichtet werden, die aufgrund von starken Regenfällen zu spät zur Arbeit an der Grossen Mauer kamen. Die Betreffenden berieten sich: "Nach dem Gesetz von Qin werden wir, weil wir zu spät gekommen sind, alle hingerichtet. Wir haben nichts zu verlieren und wollen unser Glück versuchen." Die Betreffenden erhoben sich und hatten in wenigen Tagen eine Armee von 300 000 Mann.

Als die Rebellionsarmee dicht vor der Hauptstadt der Qin Dynastie stand, bat Huhai, Li Si um eine Erklärung. Li Si beriet Huhai: „Als Kaiser solltest Du nicht dem Lande dienen. Das ganze Land sollte Dir dienen. Wie kannst Du das erreichen?“ Li Si zeigte es an einem Beispiel: denn Shang Yang, der Vordenker des Legalismus, liess jemanden, der Schmutz auf die Straße schüttete, grausam foltern. Er sagte: „Wenn die Menschen sehen, dass ein kleines Vergehen solches Leiden auslösen kann, werden sie es nicht wagen, Dir nicht zu dienen.“ Li Si sagte Huhai, er solle alles kontrollieren und sich durch nichts einschränken lassen.  

207 v. Chr. stand die Qin-Dynastie am Rand des Zusammenbruchs. Der Kaiser war  nicht in der Lage, mit den Rebellen im Land fertig zu werden. Zhao Gao fürchtete, dass der Kaiser die Schuld ganz alleine ihm zuweisen würde. Deshalb verschwor sich Zhao Gao mit anderen, um den Kaiser zum Selbstmord zu zwingen.  Ein Sohn von Fusu, Ziying, wurde dann von Zhao Gao zum König von Qin gemacht. Li Si, der die Allmacht dieses schwachen Zweiten Kaisers begründete, wurde (durch Zhao Gao) grausig hingerichtet, der große Minister Lisi wurde  zweigeteilt.

 

Ziying oder Sa¯n Shì Huángdì (chin.), † Ende Januar 206 v. Chr.) war der letzte Herrscher der Qin-Dynastie und König von Qin. Er herrschte von Mitte Oktober bis Anfang Dezember 207 v. Chr.. Ziying war der Sohn des Fusu, des ältesten Sohns von Qin Shihuangdi, dem ersten Herrscher der Qin. Dynasti. Als König von Qin tötete Ziying  Zhao Gao, einen mächtigen Eunuchen. Danach kam es zu weiteren Intrigen und Morden. 207 v. Chr. endete die Dynastie im Angriff der Rebellenführer Liu Bang. und Xiang Yu.,  dem Anführer der mächtigsten Armee des Staates Chu.

Beide unterstützten einander im Aufstand. Lu Bangs Armee griff die Hauptstadt der Qin-Dynastie, Xianyang, an.  Schliesslich war es Liu Bang dem es gelang dem Herrscherhaus  im Winter des Jahres 207 v. Chr. den Todesstoss zu versetzen. Ziying musste sein Reich an Liu Bang abtreten, einen mächtigen Rebellen der ihn dem Xiang Yu auslieferte. Nach nur 46 Tagen als Herrscher wurde Ziying von Xiang Yu getötet.

Liu Bang hatte sich damals an die Spitze einer Bauernarmee gestellt.  Sie griffen den Palast an und  Liu Bang eroberte mit seinen Truppen im Jahr 207 v. Chr. die Hauptstadt. Er setzte die strengen Gesetze der Qin-Dynastie ausser Kraft. Er wurde daraufhin vom Volk begrüsst. Als kleiner Beamter der Qin-Dynastie ließ Liu Bang Häftlinge frei und flüchtete deshalb in die Mangshan- und Dangshan-Berge. wurde dann in den Monaten des Niedergangs von Qin Bandit und schloss sich einer aufständischen Armee an, die in die prächtige Stadt Xianyang einfiel, den kaiserlichen Thronfolger hinrichtete und all die schönen Paläste brandschatzte.

Liu Bangs Rivale war der Anführer einer aufständischen Armee, Xiang Yu,  (232-202 v. Chr.) aus dem Staat Chu. Nach dem Sturz der Qin-Dynastie (221-202 v.Chr.)  bekämpften sie sich jedoch gegenseitig, da sie beide die Macht beanspruchten. Vier lange Jahre dauerte ihr Zwist, bis es in Anhui zu einer blutigen Schlacht zwischen den zwei Armeen kam. In einer nebeligen Nacht wurde das Lager von Xiang Yu von feindlichen Truppen eingekesselt. Die in der Falle sitzenden Soldaten hörten von ihren Belagerern Volkslieder aus ihrer Heimat. Xiang Yus Soldaten wurden daraufhin von Heimweh geplagt. In ihrer Verzweiflung legten viele Soldaten ihre Waffen nieder und versuchten zu fliehen. Xiang Yu konnte eine Massenflucht nicht verhindern. Seine Armee brach binnen Minuten zusammen. Nun standen noch zwei Alternativen zur Auswahl: entweder Kapitulation oder Selbstmord.

Im Kessel gefangen war auch Xiang Yus Konkubine Yu Ji. Von ihr Abschied zu nehmen fiel Xiang Yu extrem schwer. Yu Ji soll eine außerordentlich schöne Frau gewesen sein. Sie war es auch, die auf die Idee kam, durch ihren eigenen Selbstmord ihren Geliebten dazu zu bewegen, die Einkreisung zu durchbrechen. Und so stürzte sie sich ruhig ins Schwert.  Xiang Yu gelang es, mit neuem Mut die feindliche Einkreisung zu durchbrechen. Doch nach all den militärischen Niederlagen der Vergangenheit betrachtete er sich als Versager. Und vor allem der Gedanke, dass sich seine Geliebte ins Schwert stürzte, quälte ihn permanent. Nach langem Leiden fasste Xiang Yu schließlich den Entschluss, Selbstmord zu begehen.

 

Nachdem Liu Bang den Kampf gegen seinen Erzfeind den Aristokratengeneral Xiang Yu für sich entscheiden konnte bestieg er 202 v.Chr. als Kaiser Gao-Zu den Thron von China. Er regierte unter dem Titel Gao Di. und liess sich in der jetzigen Provinz Shandong zum Kaiser ausrufen. Er  gründete 202 v. Chr. die Han-Dynastie. Seine Dynastie bezog ihren Namen nach der Provinz Hanzhou und wurde fortan Han genannt. Der Name »Han« geht auf einen Fluss in Zentralchina zurück.  Liu Bang entstammte der Ueberlieferung nach, aus  einer Bauerfamilie aus Shandong, Nach anderen Aufzeichnungen aus der Familie eines Grundherrn. Er soll aufgeschlossen und edelmütig gewesen sein..Er  soll ein rauer, aufbrausender, aber schlauer und sympathischer Mann ,gewesen sein der "Wein und Weiber liebte" - wenn man dem Geschichtsschreiber dieser Dynastie glauben darf und "zweihundertsiebzig schwarze Muttermale“ auf seinem Oberschenkel trug.  

Er begann seine Laufbahn als unbedeutender lokaler Beamter als er sich mit Lü Zhi vermählte, die dann mehrere Jahre neben der Haushaltsführung auch auf dem Feld gearbeitet habe, wie es heisst. Sie gebar eine Tochter und einen Sohn. Von der Tochter wird nichts weiter vermerkt als dass sie existierte, der Sohn indes hat in den Annalen einen Namen: Liu Ying. Sein späterer Kaisername Hui Di. So lebte also in einer ländlichen Gegend, in offensichtlich bescheidenen Verhältnissen, eine vierköpfige Familie, die dem Chinesischen Reich zwei Kaiser und die erste Kaiserin seiner Geschichte bescheren sollte.  Während Lü Zhi noch die Kinder grosszog beteiligte sich Liu Bang mehr und mehr an Aktionen gegen das diktatorische Regime des allmächtigen Kaisers dessen drakonische Maßnahmen das Volk aufbegehren liessen. Die Rebellenführer zu denen bald auch Liu Bang zählte, verwandelten den Unmut der Menschen in machtvolle Aufstände und bereiteten der verhassten Dynastie ein frühzeitiges Ende. Damit betrat neben Liu Bang, bekannt unter dem Kaisernamen Gao Zu, auch Lü Zhi die politische Bühne denn von Anfang an begnügte sie sich nicht mit der Rolle der blossen Gemahlin. Sie mischte kräftig mit am Kaiserhof in Luoyang, der neu ernannten Hauptstadt, und später in Chang’an, westlich von Luoyang am Gelben Fluß dem heutigen Xi’an, das danach Hauptstadt wurde und es lange bleiben sollte.

Liu Bang., gewöhnlich unter seinem Ehrennamen Gaozu [Kao-tsu] genannt, was soviel wie "großer Ahnherr" bedeutet, konnte und wollte nicht an alte feudale Traditionen anknüpfen.  Nachdem Liu Bang den Thron bestiegen hatte, traf er eine Reihe von Maßnahmen zur Wiederherstellung und Entwicklung der Wirtschaft. Die ständigen Kriegshandlungen haben die Bevölkerungszahl stark dezimiert, weshalb Liu Bang alle Strafgefangenen begnadigte, Sklaven freiliess und Soldaten nach Hause schickte.  Ausserdem reduzierte er Frondienste und konsolidierte mittels verschiedener Maßnahmen den einheitlichen Zentralstaat.

Liu Bang (Kao-ti) liess als Kaiser den Verwaltungsapparat der Qin-Dynastie weiter bestehen und hielt an der Mehrzahl ihrer Gesetze und Verordnungen fest, sogar dem Bücherverbot. Sein Programm bestand vor allem darin, diejenigen Maßnahmen der Qin abzuschaffen, die sie verhasst gemacht hatten, in erster Linie das drakonische Strafrecht zu ändern. Unter Liu Bang, begann sich das Herrschaftssystem wieder zu festigen. Im Laufe der ersten Han- Dynastie wurde die Verfassung und die Verwaltung demokratisiert und ein Beamtenstaat gegründet, Die Han-Dynastie herrschte vierhundert Jahre lang, von 206 v. Chr. bis 220 n.Chr., ein mächtiger Staat, vergleichbar mit dem römischen Reich im Westen. In den Künsten allerdings, dem Erziehungswesen und teilweise sogar in der Regierungskunst und in der Kriegsführung übertraf das Han-Reich Rom. Selbst heute spricht man ganz allgemein noch von den "Han-Chinesen".

 

Die Han-Dynastie zählt zu den glorreichsten Epoche der chinesischer Geschichte. Deshalb bezeichnen sich die Chinesen bis auf den heutigen Tag häufig als Han-ren, als »Han-Menschen«. Die Han gewährten den Bauern mehr Freiheit und entlasteten sie von den übermässigen Steuern, unter denen sie gelitten hatten. Vasallenkönigreiche durften wieder aufleben, allerdings überwacht von Beamten der Zentralregierung, deren Autorität absolut war. Die Steuersätze waren unter den ersten Han-Kaisern deutlich niedriger als in der Qin-Zeit. Eine neue, jedoch nach dem Vorbild der Qin zentralistische Verwaltung mit Präfekturen, untergeordneten Bezirken und Kreisen wurde eingerichtet, wobei einzelne kleinere feudale Lehnsherrschaften ausgenommen wurden, die mit einer Ausnahme alle im nordöstlichen Gebiet Chinas lagen. Es kam zu Bevölkerungsumsiedlungen, um die Grenze zu verteidigen, Land urbar zu machen und die Ballungsgebiete zu entlasten. Die Aufgabe  des Staates bestand aus Erhebung von Steuern, Schutz der Grenzen, Verwaltung der Bewässerungsanlagen und Lenkung des Handels und Verkehrs. Die Folgen davon waren, dass das Reich in allen Belangen wieder aufblühte. Die kaiserlichen Beamten (Mandarine) werden durch eine Prüfung ausgewählt und nicht wie anderswo anhand ihrer Herkunft.

Die Bevölkerung wurde in 24 Rangstufen (jue) eingeordnet. Man konnte gegen besondere Leistungen (Krieg, Steuer, Bestechung) befördert, als auch bei Strafen, degradiert werden. Die Leistungen an den Staat bestanden aus Kopfsteuer, Fronarbeit und Militärdienst. Der Verwaltungsapparat war wie zuvor dreigeteilt: zivile Angelegenheiten, militärische Angelegenheiten und Inspektion / Kontrolle. Das betraf sowohl die Hauptstadt Chang’an, die Provinz (wo man in Kommandanturen jun und Präfekturen xian unterschied) als auch die Lehen, die zunächst noch der kaiser Familie und verdienten Generälen überlassen wurden.

Um ihre Herrschaft wieder über das ganze Reich zu gewinnen, übernahmen die Han-Kaiser  wenngleich in etwas abgeschwächter Form das streng zentralisierte System der Qin,  da nach dem Sturz der Qin-Dynastie eine Reihe von ehemaligen Teilstaaten bzw. Gebiete, wieder ihre Unabhängigkeit suchten., Daher galten die Bestrebungen der ersten Han-Kaiser primär dem Bemühen, die Einheit des Reiches wieder vollständig herzustellen und zu konsolidieren, so duldeten die Han-Kaiser unter sich doch auch die Existenz von Königreichen und Fürstentümern, weil dadurch das Reich leichter zu regieren war.

 

Anfangs war das Reich noch nicht befriedet, und Gao Di (Liu Bang) musste noch einige Kämpfe ausfechten, denn nach dem Sturz der Qin-Dynastie stiessen die Xiongnu ( die Hunnen), ein Volk aus dem Norden, ständig nach Süden vor, und verletzten immer wieder die Grenzgebiete der Han-Dynastie.  Schon vorher Im Jahre 212 v.Chr. besiegte der General Huo Qubing mit 10 000 Reitern ein starkes Hunnenheer, Sie stellten ein großes Risiko für die Han-Dynastie dar.  Im Jahr 200 v. Chr. startete Liu Bang deshalb einen Feldzug gegen die Xiongnu in der Nähe von Baideng (nordwestlich der heutigen Stadt Datong in der Provinz Shanxi). Liu Bang wurde aber von über 300 000 Kavalleristen der Xiongnu sieben Tage lang eingekesselt.  Gao-Zu (Lu Bang)  sah sich ihrer Bedrohung so sehr ausgesetzt, dass ihm keine andere Wahl blieb, als sich durch die Übergabe einer kaiserlichen Prinzessin zur Vermählung mit dem Hunnenkaiser »freizukaufen« und  Märkte für bilateralen Handel im Grenzgebiet zu öffnen. Solche und ähnliche Taktiken sind auch in späteren Zeiten noch des öfteren zur Beseitigung verschiedener Gefahrensituationen angewandt worden.

Liu Bang und seine Nachfolger (14 Kaiser der westlichen bzw. I. Han-Dynastie,  folgen 13 Herrscher der östlichen bzw. II. Han-Dynastie). Sie machen das expandierende China (das Herrschaftsgebiet kann weit nach Süden, Nord-Vietnam und Osten, Korea ausgedehnt werden wieder zu einem zentralistischen Beamtenstaat. Im Norden wurden die Xiong Nu (verschiedene türkischstämmige Völker) angegriffen deren Macht aber nicht gebrochen werden konnte.  

Gefahr drohte der Autorität der Han auch aus dem Inneren des Palastes. Zur Zeit des hart durchgreifenden Gaozu (Liu Bang) verlief alles gut. Doch 195 v. Chr. wurde er im Kampf tödlich verwundet er starb an einer Pfeilwunde und ein schwacher Sohn trat seine Nachfolge an. Nach Gao Dis (Liu Bang) Tod im Jahre 195 v. Chr übernahm die Kaiserin Gao Hou (bzw. Lü Hou Liu Bangs Wittwe) die Herrschaft, indem sie ihren Sohn zum Kaiser machte. Gao Dis Wunschnachfolger nebst dessen Mutter liess sie töten. Sie ersetzte nahezu alle Lehenfürsten durch ihre eigenen Verwandten.  Nach dem Tod dieses unbedeutenden Kaisersohn im Jahre 188 v. Chr. setzte seine Mutter, die Kaiserin Lü, einen adoptierten Sohn auf den Thron, liess ihn dann ermorden und übernahm selbst die Regierung. Die wichtigen und einflussreichen Posten besetzte sie mit Mitgliedern ihrer Familie. Die Verwandten dieser machtgierigen Frau hätten nach ihrem Tod beinahe den Thron an sich gerissen, doch es kam anders. Als die Kaiserin Lü 180 v. Chr. starb, massakrierten die Gefolgsleute ihres verstorbenen Ehemannes all ihre Verwandten und setzten einen Sohn des Ehemannes auf den Thron, wodurch 141 v. Chr. die Thronbesteigung des Kaisers Wudi ermöglicht wurde. Unter der Herrschaft des "Kriegerischen Kaisers" leiteten die Han Dynastie, eine dynamische Expansion Chinas ein, wie sie für die großen Tage von Qin charakteristisch gewesen war. Den Höhepunkt ihrer Machtentfaltung erreichte die Han-Dynastie unter Wu-di, dem, »kriegerischen Kaiser«.

 

Am Anfang der Han-Dynastie wurde die Westhälfte mit der Hauptstadt nach dem Verwaltungssystem der Qin regiert, die Osthälfte aber gemäss dem Lehensystem in Königreiche umgewandelt. Unter Wu Di wurden  die Lehen in ihrer Macht stark beschnitten. Dabei war Wu Di weder der erste noch der letzte Kaiser, der diese Entmachtung übte, aber der erfolgreichste. Unter Wu Di, er regierte von 141 – 87 v. Chr,  erlebten sowohl der Konfuzianismus als auch die Han-Dynastie ihre größte Blüte. So waren die neuen Beamten allesamt Konfuzianer,

Schon im Jahre 124 v. Chr. wurde der erste staatliche Unterricht in den Klassikern eingerichtet. Wudi war ein praktisch veranlagter Mann von unerschöpflicher Energie. Er regierte persönlich und stand gebieterisch an der Spitze der Beamten des Reiches, die auf einer kaiserlichen Universität ausgebildet wurden, und hoch über den normalen Sterblichen standen. Die ganze Regierungszeit des Kaisers Wu war gekennzeichnet von heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den kaiserlichen Han-Armeen und den Truppen des Xiongnu-Reiches (Hunnen), an dessen Spitze ein Shanyu, ein weiterer »Himmelssohn«, stand. Dieser führte eine Armee von zirka 300 000 Mann an.  

Um das Han-Imperium von den dauernden Angriffen der Xiongnu zu befreien, unternahm Wu-di eine Reihe gross angelegter Feldzüge nach Norden, gegen dieses ungestüme Reitervolk. Ähnlich wie Alexander der Große schwebte auch Wu-di die Herrschaft über ein gewaltiges Imperium bzw. die Ausweitung seines Machtbereiches vor Augen. Zum anderen war er gezwungen, in einer Art Selbstverteidigung sein Land und sein Volk vor den, an der gesamten Nordgrenze des Reiches immer wieder einfallenden Xiongnu-Horden zu schützen. Im Verlaufe mehrerer auch für die chinesische Seite sehr verlustreicher Kriege gelang es Wu-di, die Xiongnu vorläufig im Norden zurückzuschlagen Er vertrieb sie aus dem Ordos-Gebiet und Shaanxi, wobei ein Teil der Hunnen sich ihm ergaben.  Damit war die Gefahr jedoch noch keineswegs gebannt.

Wu- Di entsandte im Jahr 139 v.Chr. einen seiner Heerführer namens Zhang Qian nach Zentralasien, um dort das Volk der Yuezhi als Bundesgenossen gegen die Hunnen für sich zu gewinnen. Die Yuenzhi, auch Tocharer genannt, waren ein indogermanischer Volksstamm, der früher einmal von den Xiongnu aus Gansu vertrieben worden war und sich nach Westen über das Pamirgebirge abgesetzt hatte. General Zhang Qian, der auf seiner Expedition, den Xiongnu in die Hände gefallen war und von diesen über ein Jahrzehnt Gefangengehalten worden war, konnte die Yuezhi, die keine Lust mehr zeigten, sich als Bundesgenossen der Chinesen in Kämpfe gegen das mächtige Hunnenreich verwickeln zu lassen, nicht für seine Pläne gewinnen und musste unverrichteter Dinge in seine Heimat zurückkehren, wo er im Jahre 126 v.Chr. eintraf.

Auch einer zweiten Mission Zhang Qians zu den Wusun, einem ebenfalls indoeuropäischen Volksstamm im Ili-Tal nördlich des Tarimbechens, war kein Erfolg beschieden. Wenn auch  die Expeditionen Zhang Qians die erhofften militärischen Bündnisse nicht zustande brachte,  kam dadurch aber reiches Wissen über die »Westgebiete« (Xi-yu), das heisst über Zentralasien, das nach chinesischen Berichten damals aus 36 kleinen Königreichen bestand,, sowie über verschiedene, noch weiter im Westen gelegene Länder,, nach China. Sehr aufschlussreich und von großem Interesse waren für die Chinesen auch die Berichte einer Gesandtschaft, die bis nach Ferghana, damals von den Chinesen Dayuan genannt (heute in Westturkestan gelegen), vorgedrungen war.

Durch die Feldzüge des Kaisers Wu Di erfuhr das Han-Imperium eine gewaltige Ausweitung. Erstmals erlangten Chinesen hierdurch auch konkrete Kenntnisse von den »Westgebieten« bzw. auch von Staaten, die noch weiter im Westen lagen. Bisher war ihre wesentliche Quelle über diese Gebiet, der »Klassiker der Berge und Meere« (Shanhai-jing), der zum Teil bereits aus der Zeit vor der Han-Dynastie stammte, und recht phantasievolle Beschreibungen der Länder und Lebewesen in diesem fernen Westen bietet: Vögel, Fische, Schlangen mit Menschenhäuptern, Fische mit zehn Körpern, aber nur mit einem gemeinsamen Kopf, Schildkröten mit Vogelköpfen, Fische mit Flügeln, Hühner mit Menschenköpfen usw.  

Unter Wu Di  dehnte sich das Reich nun auch im Westen aus, so wurde Yunnan „entdeckt“, und die Existenz des Tanguten -Reiches in Kansu, des Staates Nanchao, (Thai Tibeter Chinesen mit Hauptstadt Tali) in Yunnan. „Da Yuan „(Ferghana), wurde nach einer Verweigerung des Handels mit China mittels zweier Strafexpeditionen tributpflichtig gemacht.

Ein Grund für Wu Dis zahlreichen militärischen Operationen in die Wüsten- und Steppengebiet im Westen und Nordwesten Chinas war sein Bestreben, die grosse Karawanenstrasse zwischen China und dem Westen, das heisst, die Verkehrsverbindung vom chinesischen Kaiserreich im Osten bis zum Römischen Reich im fernen Westen aufrechtzuerhalten und sicherzustellen.

 

Schon im Jahre 139 v.Chr. begann der >Grosse Reisende< Zhang Qian seine Erkundungen. Er sollte deshalb zum „Vater der Seidenstraße“ werden denn seine Reisen eröffneten für das damalige China das Tor zur Welt. (139 - 126 v.Chr. Reise nach Zentralasien).  Nachdem die kaiserlichen Truppen den sog. Gansu-Korridor erobert hatten, wurde die chinesische Mauer bis nach Dunhuang verlängert. Auch die damaligen Königreiche Loulan, Khotan und Kashgar fielen an das chinesische Kaiserreich. Das waren die Voraussetzungen für den Handel auf der Seidenstrasse, denn die Seidenstrasse war Netz von Karawanenstrassen, die seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. von China durch Zentralasien bis zum Mittelmeer und zum Schwarzen Meer führte..

Hauptware dieser Handelswege war Seide (daher auch der Name), aber auch Gold, Glas, Metalle und Luxuswaren.  Die Händler beritten diese Handelswege auf Kamelen und Pferden und verbreiteten über sie auch bestimmte Kulturpflanzen (Klee, Pfirsich, Mandeln Hanf ...) sowie medizinische und religiöse Ansichten.  Es existierten aber auch zahlreiche Nebenrouten der Seidenstrasse wie z.B. von Xian nach Rangoon und über den Seeweg weiter nach Indonesien. Eine andere Route ging von Xian über Wuhan nach Hongkong und von hier per Schiff weiter in das Ost- bzw. in das südchinesische Meer (Shanghai), Hanoi bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt. Wieder andere Routen führten von Lanzhou nach Dhaka, von dort aus wurden die Waren per Schiff nach Sri Lanka (Golf von Bengalen) bzw. Malaysia und Indonesien verfrachtet. Eine weitere Nebenroute der Seidenstraße war die Verbindung Kashgar - Islamabad - Rawalpindi - Karatschi (Pakistan). Von Karatschi aus zeigten Seerouten nach Basra (Irak), Alexandria und Kairo (Ägypten) und nach Afrika und Bombay (Indien).

Die Bekannteste Route der Seidenstrasse begann in Xian und führte über Lanzhou, Wuwei, Jiayuguan, Dunhuang (hier Aufspaltung in Nord- und Südroute) nach Kashgar. Von Kashgar aus folgte die Route den Städten Osch, Samarkand, Buchara, Teheran (Iran) nach Antiochia (Syrien). Von Syrien aus trat die Seide ihren Siegeszug nach Rom (Italien) bzw. ins europäischen Festland an.

Für die Kaufleute war der lange Weg mit ihren Karawanen von Xian über Zentralasien, Afghanistan*), Persien und den vorderen Orient bis zum Mittelmeer eine beschwerliche, meist ein Jahr dauernde Reise. Die Etappen variierten je nach Begehbarkeit der Routen. In späteren Zeiten wurden große Karawanen gebildet, die bis zu 1000 Kamele umfasste. Teilweise wurden diese Karawanen zum Schutz gegen Banditen und Wegelagerer von bewaffneten Eskorten begleitet. Die zweihöckrigen Kamele konnten bis zu 450 Pfund Handelswaren bzw. Lasten tragen und waren damit besser als ihre einhöckrigen Verwandten. Um das Jahr 120 v.Chr. liessen sich viele Händler aus fremden Ländern in der damaligen chinesischen Hauptstadt Xian nieder.

 

Aber nicht nur nach Westen und Nordwesten, sondern auch nach Norden und Nordosten hin betrieb  Wu-di eine Expansionspolitik. Im Jahre 108 v.Chr. kam es zur Eroberung von Chaoxian, einem Gebiet, welches das heutige Nordkorea und einen Teil der ehemaligen Mandschurei umfasste. Durch die Errichtung von vier Militärkommandanturen, von denen sich die wichtigste in dem 400 000 Einwohner zählende Luolang, der heutigen nordkoreanischen Hauptstadt Pyöngyang befand, wurden diese neuen Gebiete abgesichert.

Diese neuerworbenen Gebiete haben im Laufe der Geschichte Chinas auf der einen Seite oft in starkem Maße zu einer gewaltigen Machtentfaltung des Reiches beigetragen auf der anderen Seite, wenn das Reich innerlich geschwächt war, auch stets eine Gefahr dargestellt, da verschiedene Länder und Völker dieser Region in einer solchen Situation nicht selten auch um mehr Selbständigkeit oder sogar um ihre Unabhängigkeit kämpften. Dies hatte zur Folge, dass grosse Teile dieser Region zu Zeiten der Schwäche des Reiches verloren gingen und nach neuerlicher Konsolidierung der Zentralgewalt wieder neu erobert werden mussten.

Sehr viel weniger Mühe als die Erweiterung nach Westen und Nordwesten machte Wu-di die Einverleibung von Gebieten im Süden und Südosten des Landes und zwar aus zwei Gründen. Einmal gab es dort kein mit dem mächtigen Hunnenreich bzw. dem gut organisierten Hunnenheer vergleichbares Machtpotential das den Han-Truppen ernsthaft Widerstand hätte entgegensetzen können. Zum anderen handelt es sich was den Raum Guangdong Guangxi und Nordvietnam betraf, um Gebiete, die zum grössten Teil bereits unter der Qin-Dynastie unterworfen und von den Han-Truppen sozusagen nur wiedererobert worden sind.   Wudi führte seine Armeen gegen die Völker im Süden und eroberte die heutigen Provinzen Zhejang, Fujian, Kwangsi, Kwangtung und Vietnam. Außerdem zwang er die „Barbaren“ von Yunnan, Guizhou und Sichuan unter seine Gewalt und besetzte Korea. Im Gegensatz zu den Gebietseroberungen im Westen und Nordwesten konnten die neu hinzugewonnenen Gebiete im Süden und Südosten Chinas in der Folgezeit leichter unter chinesischer Kontrolle gehalten werden. Trozdem sollte in diesem Gebiete noch fast ein Jahrtausend vergehen, bis der Großteil der Bevölkerung vorwiegend durch Einwanderungsbewegungen aus dem Norden - ethisch und sprachliche sinisiert war.  

Im Jahre 103 v.Chr. erlitten die chinesischen Truppen erneut eine Niederlage durch die Hunnen. Ein Jahr später schickte der chinesische Kaiser seinem General Li Guangli, der bereits 104 v.Chr. mit einer starken Expeditionsarmee in Richtung Ferghana aufgebrochen war, unterwegs  eine Niederlage, sowie durch eine Hungersnot, den grössten Teil seiner Truppen. Später bekam er eine Verstärkung von 60 000 Mann, um eine Strafexpedition gegen Dayuan durchzuführen.

Nach gewaltigen Strapazen, denen ein großer Teil seiner Truppen erlegen war, erreichte General Li mit 30 000 Mann die Hauptstadt von Ferghana und belagerte sie. Nach 40 Tagen Belagerungszeit, während der die Einwohner von ihrer Wasserversorgung abgeschnitten worden waren, brach in der Stadt ein Aufstand aus. Hierauf unterbreiteten hohe Beamte der Stadt General Li Vorschläge von Gegenleistungen, zu denen sie bereit wären, wenn er die Stadt nicht einnähmen. Nach Einwilligung erhielt der General einige Duzend jener berühmten »Reitpferde himmlischer Zucht« an denen dem Kaiser Wu-di soviel gelegen war, sowie 3’000 gewöhnliche Pferde. Nachdem er anschliessend noch ein gewissen Mei Cai zum König von Dayuan ernannt hatte, zog er wieder ab. 87 v. Chr. starb Wu Di.  

Ein halbes Jahrhundert später, im Jahre 42 v.Chr., überquerte eine weitere chinesische Armee von 40 000 Mann das Pamirgebirge und zerschlug in Sogdien eine Gruppe von Xiongnu auf der Flucht sowie ein bewaffnetes Truppenkontingent römischer Legionäre. Zur Konsolidierung der neu erworbenen Gebiete wurden die Grosse Mauer nach Westen hin bis zur Stadt Yumen (Jade-Tor) erweitert In dem sowohl strategisch als auch für den Ost-West-Handel so wichtigen Gansu-Korridor, dem Tor von China nach Zentralasien, wurden 700 000 Chinesen angesiedelt.

 

Die wachsende Wirtschaftskraft Han-Chinas und seine politisch-militärische Expansion begünstigten den Handelsverkehr zwischen den chinesischen Ländern und diversen Regionen Asiens. Konkret breitete sich Han-China im Rahmen des Krieges mit den  Hsiung-nu und ihren Vasallen 102/101 v. Chr. und 73-   94 letzteres unter General Pan Chao entlang der  Seidenstrasse aus.  Dem folgte eine Ansiedlung chinesischer Soldaten (die sich hier als Bauern in sogenannten Militärkolonien tuntian selbst versorgten),  sowie  ein Strom von Zwischenhändlern Die Loyalität der besiegten Nomaden erkaufte man sich mit umfangreichen Geschenken, die über 1/6-tel der Gesamteinkünfte Chinas (einschließlich der des Kaisers) ausmachten.

Eine ähnliche Expansion vollzog sich in den Tropen- Gebieten, wo man über Kanton und Nordvietnam die Anbindung an den indo-iranischen Seehandel schaffte. Es entstanden erste Kontakte Han-Chinas nach Persien und sogar zum  Römischen Reich. So tauchten Gesandte der Römer (Land "Da Qin") erstmals zur Zeit von Marc Aurellin in China auf.  Indische Gesandtschaften erreichten zwischen 89 und 105 den Hof, für 132 erwähnte man offizielle Beziehungen nach  Java.  Über die sogenannten Seidenstraßen wird ab Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christus Handel auf dem gesamten euroasiatischen Kontinent betrieben, und ausländische Einflüsse gelangen allmählich nach China.  

Durch historische Quellen ist nachgewiesen, dass es indirekte Kontakte zwischen dem Abendland und China schon lange vor den Reisen des Venezianers Marco Polo bestanden haben. Solche Verbindungen kamen sowohl auf dem Landweg als auch über das Meer zustande. Schiffsrouten zwischen Indien und China werden in chinesischen Werken erstmals um 130 v. Chr. erwähnt. Seeverbindungen zwischen Indien und Griechenland gab es schon viel früher, mindestens seit 300 – 400 v. Chr. Es wäre also durchaus möglich, dass chinesische Entdeckungen auf dem Umweg über Indien bis in den Mittelmeerraum gelangt sind und umgekehrt. Die Taoistische Kunst der Lebensverlängerung kommt aus dem Kriya Yoga. Das auch heute noch im Himalaja praktiziert wird und das Yin-Yang Prinzip entspricht dem indischen Shiva- Shakti, der Jadekaiser kann mit Shiva verglichen werden.

Auch zwischen dem alten Indien und der griechischen Welt lässt sich ein Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und kultureller Errungenschaften bereits in sehr alten Zeiten feststellen. So gab es gedankliche Verbindungen zwischen der hinduistischen Prana-Theorie und der späteren Pneuma-Lehre der Griechen. China und Indien haben eine Jahrtausende alte Tradition mit gegenseitigem Austausch und Besuchen von Yogis, Lehrern und Meistern.

Wie in Vorderasien blickt man auch in China auf eine lange Tradition in der Sternbeobachtung zurück und die wichtigen Überlieferungen beginnen etwa ab 1000 v.Chr, doch die Spur einer beobachtenden Astronomie lässt sich bis ins 3. Jahrtausend v,Chr. zurückverfolgen. Die chinesische Himmelskunde hatte im wesentlichen einen empirischen Charakter, d.h. man konzentrierte sich vorrangig auf eine möglichst akurate Beobachtung der Ereignisse und ihre Fixierung. Besondere Sorgfalt galt den außergewöhnlichen Erscheinungen wie Finsternisse, Kometen, Novae, Meteoren und Sonnenflecken.

Auch auf dem Gebiet der Astronomie und in anderen wissenschaftlichen Disziplinen leisteten die Chinesen in dieser Zeit hervorragendes. Sonnenuhren und Wasseruhren waren allgemein im Gebrauch. Schon in der Han-Zeit hatte man die Umlaufbahn des Mondes errechnet und mehr als 1100 Sterne auf der Himmelskarte eingetragen. Lange vor dem Europäern studierten chinesische Astronomen die Veränderungen der Sonnenflecken. Sonnen- und Mondfinsternisse wurden exakt vorausgesagt.

Die Sternbilderkunde wich in China von der abendländischen stark ab. Beispielsweise ging man für das Beschreiben der Planetenbahnen vom Polarstern aus. Man entwickelte von ihm aus ein Meridiansystem, woraus der Himmelsäquator als Bezugskreis für die Bewegungen resultierte. Ab dem 4. Jh. AD fertigten die chinesischen Astronomen umfangreiche Sternkataloge an und gruppierten dabei die Sterne zu insgesamt 284 Sternbildern.

 

Die Bevölkerung wuchs während der Han-Zeit stark an (auf ca. 57 Millionen um Christi Geburt) und es entstanden große Städte. In Changan, der Hauptstadt lebten etwa 250.000 Menschen. Um 65 v, Chr, bemühte man sich erfolgreich um die Wiederherstellung der  verbrannten und verloren gegangenen Literatur  Die Wirtschaft erlebte einen Aufschwung, erkennbar durch explodierenden Seiden-, Lack-, und Jadeexporte und eine Vielzahl von Erfindungen z. B. Stahlerzeugung, Fallschirm, negative Zahlen, Dezimalbruch, Schiffsruder, Handkurbel, Messschieber, Schubkarre, Hängebrücke, Bohrung nach Sole, Drillmaschine, Wassermühle. usw.

Schon um 130 v, Chr, wurde in China der erste Seismograph gebaut und 10 Jahre später um 120 v. Chr. wurde unter Kaiser Wu-Ti (141-87) in China endgültig ein einheitliches Münzsystem eingeführt. Der heimlich ausgeführte chinesische Stahl. wurde sogar bei den Römern als serisches Eisen gelobt.  Die wichtigen Wirtschaftszweige Eisen und Salz waren gut ein Jahrhundert lang  Staatsmonopole (seit 117 v. Chr). Es gab allerdings auch private Unternehmen von reichen Kaufmannsfamilien, auf dem ebenso bedeutsamen Gebiet der Seidenproduktion.

Auch die Meerlandgewinnung wurde bereits in alter Zeit vorgenommen, dies waren die 'tutian' ('Sumpffelder'). Man bepflanzte die Ufer zunächst mit Engelwurz (Angelica kiusiana), die die von der Flut angespülten Sedimente festhalten sollte, und danach mit Panicum crusgalli, das dem Boden das Salz entzog. Dann erst waren sie für normale Saaten brauchbar und gaben Erträge, die etwa denen der Normalfelder entsprachen. Diese Art der Landgewinnung wurde auch von der ärmeren Bevölkerung praktiziert, welche die so gewonnenen Felder als Eigenbesitz (yonye) zum Anbau von Hanf oder Maulbeerbäumen nutzte.

Ein nur temporärer Typ waren die 'shatian' ('Sandfelder') an den Flussufern im Yangzi- und Huai-Gebiet. Hierbei wurde der stark schwankende Wasserstand der Flüsse genutzt. Nur durch Schilfhecken geschützt wurden hier Klebhirse (Setaria italica glutinosa) zu Futterzwecken, Maulbeerbäume und Hanf gepflanzt. Bei Hochwasser oder einer Verlagerung des Flussbetts wurden diese Felder aufgegeben. Interessant ist dieser Feldtyp vor allem, weil er sich trotz gelegentlicher Versuche am ehesten einer Besteuerung entziehen konnte.

 

Die militärischen Expeditionen und Gebietseroberungen, deren Absicherung durch umfangreiche Grenzschutztruppen, sowie der Bau von Strassen, Kanälen, Palästen, Grabanlagen und ähnlichem verschlangen im Laufe der Zeit natürlich gewaltige Summen. Um diese aufzubringen, mussten dem Volk große Opfer abverlangt werden. Aehnlich wie unter den Qin wurden auch während der Han-Zeit die Bauern, die den grössten Teil der Bevölkerung darstellte, beim Bau der oben genannten Projekte zu Frondiensten, die zunächst nur einen Monat, später bis zu drei Monaten im Jahr dauerte, herangezogen,  Ferner wurden eine Vielzahl von Steuern erfunden, wie z.B. Grundsteuer, Kopfsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Kriegsdienststeuer, Fahrzeugsteuer, Bootssteuer, Pferdesteuer usw. Künstler und Kaufleute mussten ihr Vermögen offen legen und entsprechend Steuern entrichten. Salz, Eisen und Alkohol wurden zum Staatsmonopol erklärt, Kupfermünzen in großen Mengen geprägt, das Geld abgewertet.

Zu Zeiten großen Ernteüberschusses kaufte der Staat billiges Getreide an, um es in Notzeiten mit Gewinn wieder zu verkaufen. Ferner wurde die Staatskasse durch den Verkauf von Titeln und Rängen aufgefüllt. Die Großgrundbesitzer, die ihrerseits das Land wieder an Bauern verpachtet hatten, waren bis zu einem gewissen Grad von den Steuern ausgenommen. Die normalen Bauern jedoch sahen sich einem ständig steigenden Steuerdruck ausgesetzt. Dies hatte zur Folge, dass immer mehr Bauern infolge der starken Ausbeutung ihren Grund und Boden verloren und ein Betteldasein führen mussten. Die Zahl der Großgrundbesitzer nahm immer mehr zu, die der gewöhnlichen Bauern jedoch immer mehr ab.

Auch Handwerk, Kleinindustrie (Eisenverarbeitung, Weberei, Kleiderfabrikation usw.) und Handel, welch früher in der Hauptstadt Chang'an (das ist das heutige Xi'an in der Provinz Shaanxi) sowie in anderen Städten wie Luoyang, Chengdu, Handan, Nanyang usw. stark aufgeblüht waren, stagnierten oder gingen zurück. Grossgrundbesitzer, Reiche und Mächtige im Lande wurden nun zu grossen Schenkungen gezwungen. Doch all diese Mittel reichten nicht mehr aus, die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen. Vor allem kostete auch die Unterhaltung des für die Verwaltung notwendig gewordene Beamtenapparats, der nach Schätzung über 130 000 Personen umfasste, viel Geld. Wegen der vielen Kriege kommt es auch innerhalb des Chinesischen Reiches zu Kämpfen und zu Aufständen, bis um 25 n. Chr. die zweite, Östliche Han-Dynastie gegründet wird.

 

Die zweite Han-Dynastie ist  wieder eine Blütezeit für das Reich und Im 1.Jahrhundert gewinnt China die alte Vormachtstellung wieder zurück. Die Lehren des Konfuzius wird rehabilitiert und wurden staatlich anerkannt, auch wenn zunächst der Daoismus dominierte. Kaiser Kuang-Wu-Ti (25-58), erster Herrscher der östlichen Han-Dynastie, macht Luoyang am Gelben Fluss zur neuen Hauptstadt Chinas.  Zur Zeit der Han-Dynastie erstreckte sich das chinesische Reich von Tibet bis zur Pazifikküste und nahezu die gleiche Entfernung bestand zwischen der großen Mauer im Norden und der südlichen Grenze des Reiches.

Während der Regierungszeit des Kaisers Ming Di (58-75) der Östlichen Han-Dynastie (25-220) erreichte der Buddhismus, eine in Indien gestiftete Religion, auf dem Weg über die Seidenstrasse, China. Im ersten Jahrhundert wurde der Shakyamunis (historische Buddha, Gautama Siddhartha Buddhismus), der mit seinem Schwerpunkt auf Barmherzigkeit und Erlösung aller Lebewesen missioniert, in den Osten und schliesslich nach China gebracht, wodurch die chinesische Kultur vielseitiger und tiefgründiger wurde. Später wurden Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus sich gegenseitig ergänzende Glaubensrichtungen

Der Buddhismus und die in seinem Gefolge entstandene Kunst entwickelten sich beispiellos schnell. Klöster, Schreine und Höhlen entstanden entlang der Seidenstraße. Die  Chinesische Gartenkultur entwickelte sich massgeblich weiter. Indische Meditationstechniken, und die Lehre der Energiepunkte (Chakra), mischten sich mit den Erkenntnissen der Chinesen.

Es war der Beginn einer neuen Ära, in der Qi Gong Methoden zur Erleuchtung im Sinne des Buddhismus verhelfen sollten. So entwickelte sich ein tiefes Verständnis für Energiearbeit, welches jedoch als Geheimlehre nur den Mönchen vorbehalten war. Der Daoist Jun Qian kreierte auf der Basis von Tierbewegungen das ´Spiel der 5 Tiere´ (Wu Qin Xi) und verband so Energiearbeit mit Bewegung. Andere Quellen nennen Hua Tuo als Gründer dieser Übungsreihe. Doch auch das Medizinische Qi Gong machte Fortschritte.  Zur Zeit der Han-Dynastie erreichte auch Feng Shui seinen Höhepunkt und wurde zu einem anerkannten Beruf. Es wurde nun Kang Yti genannt, eine Form des Vorhersagens, die auf dem Verstehen der Wandlungen von Himmel und Erde beruht. Auch die  buddhistische  Orakelmedizin ist  in dieser Zeit weit  verbreitet.  Hier  zieht  der  Heilsuchende nach einem Gebet aus einer Vielzahl nummerierter Holzstäbchen eines heraus, die Nummer  bezeichnet die im Tempel erhältliche Rezeptur, der Kranke einzunehmen hat.

 

Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurden neben heilkundlichen Bemühungen weitere medizinische Fortschritte erzielt die auch noch heute von Bedeutung sind. Eine medizinische Größe dieser Zeit, ist Tschang Tschong–king. Er zeichnete seine Erfahrungen in zwei grundlegenden Werken auf: die “Rezepte der Goldenen Schatulle” und der “Traktat über die schädliche Kälte”. Sie geben Empfehlungen für die Auswahl des geeigneten Arzneimittels sowie für seine Anwendung. Tschang Tschong–king beschäftigte sich eingehend mit der Symptomatologie der King–Gefäße oder Akupunkturmeridiane. Er unterscheidet sechs Krankheitsgruppen, die Diagnose wird immer über Prüfung des Pulses erstellt.

Gesundheit und Krankheit sind Teil der Lebensphilosophie des Taos, der philosophischen und religiösen Grundlagen der chinesischen Gesellschaft. Die beiden Grundprinzipien des Taos, das Yin und Yang und deren Zusammenspiel drückt sich in allen anderen Prinzipien des Lebens aus: Gesundheit und Krankheit sind Ausdruck und Form des menschlichen Mikrokosmos mit seinen entsprechenden Parallelen im Makrokosmos. Führt man sein Leben entsprechend den Regeln des Taos, kann Gesundheit und langes Leben erlangt werden. Krankheiten entstehen, wenn die Körperkreisläufe und die damit verbundenen Energien der fünf Elemente Wasser, Feuer, Luft, Metall und Holz nicht im Ausgleich sind. Auch in der chinesischen Medizin stehen Lebensumstände, Philosophie, das heißt das Eingebettet–Sein des Menschen in sein Leben, in direktem Zusammenhang mit seiner Gesundheit.

Die  Han Dynastie (206 v.Chr. – 220 n.Chr.), wurde zur ersten Blüte- und eigentlichen Ursprungszeit für die Traditionelle Chinesische Medizin. Während der Han Dynastie wurden die vier Klassiker der Chinesischen Medizin verfasst. Das Huangdii Nei Jing (Klassiker des Gelben Kaisers), Nan Jing (Klassiker der Schwierigkeiten) Shang Han Za Bing Lun (Das Buch von Kälteschaden und anderen Krankheiten; heute unterteilt in Shan Han Lun und Jin Gui Yao Lue (Verschreibungen des Goldenen Kabinetts]), und Shen Nong Ben Cao Jing (Materia Medica des Gottes des Ackerbaus). Diese vier Klassiker gelten auch heute noch als Grundlagenwerke.

 

Aus der früheren Zhou–Dynastie waren die Kenntnisse zahlreicher Kräuter und Drogen, sowie die Anwendung der Akupunktur belegt. Solche Kenntnisse werden nun in der Han–Zeit auch theoretisch begründet, indem ein Zusammenwirken von Yin und Yang mit den "Fünf Elementen" konstruiert wird. Dabei beschränkt sich die Heilkunde nicht nur auf den Menschen, sondern es sind auch Behandlungsformen von Haus- und Arbeitstieren, insbesondere von Pferden bekannt. Anatomische Kenntnisse (aufgrund von Sektion) sind hoch entwickelt. Es gibt in der Han–Zeit medizinische Spezialdisziplinen wie Massage, Akupunktur, Drogenkunde etc. Diee  Texte sind teilweise bis heute überliefert. Die weltweit erste Apothekerordnung stammt ebenfalls aus der Han–Zeit.

Die Anwendung von Heildrogen, dieser Zeit ist vermutlich  der  Volksmedizin,  also  der  pragmatischen  Suche  nach  Heilmitteln  zu   verdanken.  Ein  weiterer  Teil  fand  Eingang  in  den  Drogenschatz  durch  die  Bemühungen  daoistischer  Kreise mit Hilfe von pflanzlichen oder mineralischen Substanzen das Leben zu  verlängern, bzw. die Unsterblichkeit zu erlangen. Daoisten sind denn auch für die  Fortentwicklung des  Drogenwissens  und die  Arzneibuchliteratur  des  1.  Jahrtausends  nach Chr..  verantwortlich. Ein weiterer  Teil  des  Drogenwissens  wurde  aufgrund der  äußerlichen  Gestalt von Produkten  aufgenommen,  hierzu   zählt beispielsweise die Walnuss, die aufgrund ihres Aussehens als Mittel zur Stärkung des  Gehirns galt.

Das Huangdi ei Jing Buch  das  zwischen dem 2. Jahrhundert  v.Cri.  und  dem  8.  Jahrhundert  n.Chr. kompiliert  wurde  ist  das  grundlegende  Werk  der  entsprechungssystematischen  Medizin. Das  hier  konzipierte  synkretistische  Heilsystem gründet sich vor allem auf die Yin-Yang  und  Fünf Wandlungsphasen Lehren  und ist von daoistischen  und konfuzianischen  Ideen  sowie  den  Umständen  der  221  v.Chr..  erfolgten  Reichseinigung  geprägt.  

Die  Struktur  des  neuen  Staatswesens  mit  einem  Kaiser  und  einem  nur  diesem  verpflichteten  Beamtenapparat, brachte grosse Veränderungen  der  Gesellschaftsstruktur. Die Entstehung  von neuen  Städten  und  die  Standardisierung  von  Massen,  Gewichten,  der  Schrift, sowie  der  Ausbau  der Transportwege, fand seinen Niederschlag in neuartigen Vorstellungen von Gesundheit  und  Krankheit.  Die  Autoren  des  Huangdi  Nei  Jing  betrachteten  nicht  mehr  Dämonen  als  Ursache  von  Kranksein,  sondern  sie  nahmen  das  Vorhandensein  von  abstrakten  und  konkreten  „Einflüssen  und  Ausstrahlungen“ an,  die  sie  mit  dem  Begriff  qi  bezeichneten.  Hierzu  zählten  neben  den  verschiedenen  klimatischen  Faktoren  auch  die  Einflüsse  der  Nahrung, Himmel,  Erde  und  Sternen.   Für Krankheitsverursachendes  steht  der  Terminus  xie  qi;  dazu   zählten  neben  dem  schon  in  der  Shang-Zeit  bekannten  Einfluss  Wind  als  wichtigstem ätiologischen Prinzip nun auch andere klimatische Faktoren. Die Gesundheit  bleibt  erhalten,  wenn  es  dem  Menschen  gelingt  mit  den  Einflüssen  und  Ausstrahlungen der Natur in Harmonie zu  leben.

 

Das erste Große Werk zur Akupunktur, der "Innere Klassiker (Gelbe Kaiser) zur inneren Medizin" das "Huang ti nei jing su wen", das in der Zeit der kämpfenden Reiche  verfasst wurde (221 v. Chr - 220 n. Chr.), ist ein Dialog zwischen dem legendären gelben Kaiser (der 2700 v. Chr. gelebt haben soll) und einem seinem Minister.  Dieses Buch ist das Grundlagenwerk der Traditionellen Chinesischen Medizin im Allgemeinen und der Akupunktur und Moxibustion im Besonderen. Es besteht aus zwei Teilen, dem Suwen (Grundlegende Fragen), das sich hauptsächlich mit Medizintheorie befasst und dem Lingshu (Angelpunkt (Zentrum) des Wirkvermögens), in dem es um die Akupunkturpraxis, Meridiane, Kollateralen Punkte, die neun Nadeln und Manipulationstechniken etc. geht  Anatomische Kenntnisse aufgrund von Sektion sind in dieser Zeit hoch entwickelt.

Die weltweit erste Apothekerordnung stammt auch aus der Han–Zeit. Zu den wichtigsten chinesischen Arzneien gehörten Rhabarber, Eisenhut, Schwefel, Arsen und vor allem das Opium. Auch stellte man Heiltränke nach alten Ritualen aus den Organen und Ausscheidungen von Tieren her.

Wahrscheinlich war während der Han–Dynastie bereits das Rauchen von Hanfprodukten bekannt, wie aus dem Fund eines Pfeifenkopfs in Xianyang (Shaanxi–Provinz) zu schliessen ist. Der Hanf wurde auch von den taoistischen Alchemisten verwendet. Hanf gehört neben Akonit, Fingerhut, Zinnober, Quecksilber, Gold und Arsenik, zu den wichtigsten Ingredienzien, der frühen taoistischen “Elixiere der Unsterblichkeit”. Von Nekromanten wurde Hanf mit Ginsengwurzel (Panax ginseng) kombiniert eingenommen, um zukünftige Ereignisse vorherzusehen.

 

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